15.05.2008 - 14:27 Uhr  
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Fotos Ausflug auf der Windjammer „STS Khersones“

Auf der Travemünder Woche 2003 hatte ich die Gelegenheit, eine sechsstündige Fahrt auf der ukrainischen Windjammer STS Khersones mitzumachen. Diesen Tagesausflug hatten wir bereits im Mai gebucht und wie es schien, wurde die Tour sehr stark nachgefragt.

Windjammer Khersones Wo: Ostpreußenkai, 23570 Lübeck-Travemünde im Stadtplan anzeigen
Infos: www.khersones.de
Preise: Erwachsene 75 €, Kinder 45 € (Stand: Juli 2003)

Anreise nach Lübeck-Travemünde

[20. Juli 2003] — Der Ausflug beginnt höchst unerfreulich: bereits um 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Zu dieser Zeit kann man mich (zumal am Sonntag) sonst nur im äußersten Notfall dazu bewegen, das warme und kuschelige Bett zu verlassen. Aber abgesehen von diesem Wermutstropfen, auf den ich mich immerhin zwei Monate seelisch vorbereiten konnte, freue ich mich auf die Fahrt.

Nachdem ich mich schwermütig aus dem Bett gepult habe, hüpfe ich schnell unter die Dusche, um einigermaßen wach zu werden. Hilft aber nicht viel. Dann geht es per Auto los in Richtung Hauptbahnhof, von dem aus wir kurz vor sieben mit der Regionalbahn nach Travemünde fahren wollen. An einem frühen Sonntagmorgen sollte man davon ausgehen, im Innenstadtbereich nicht auf Parkplatzprobleme zu stoßen – aber weit gefehlt. Die Stadt braucht Geld und bittet im Bereich rund um den Hauptbahnhof kräftig zur Kasse. „Laufen oder löhnen“ heißt die Devise. Da wir uns den Zeitpunkt unserer Rückkehr offen halten wollen (es fahren stündlich Züge zurück nach Hamburg), entscheiden wir uns für die erste Alternative. Wir sind nicht sicher, ob wir womöglich die Höchstparkzeit sprengen würden und wollen kein Knöllchen riskieren. Erst früh aufstehen und dann auch noch latschen, na klasse!

Im Bahnhof angekommen ist erst mal ein Abstecher zum Espresso-Shop fällig. Er soll das vollbringen, was die Dusche nicht vermocht hatte. Der Kaffee auf nüchternen Magen erweckt langsam aber sicher meine Lebensgeister. Ich fühle mich in der Lage, einen Spaltbreit aus den Augen zu gucken. Jedenfalls weit genug, um den Hinweis auf der Anzeigetafel in der Wandelhalle zu entziffern: „Regionalbahn nach Travemünde wegen Gleisarbeiten gestrichen“. Auch das noch!

Schienenersatzverkehr heißt das Zauberwort! Ein Bus soll uns nach Hamburg-Rahlstedt bringen, von dort aus wird die Regionalbahn weiterfahren. Der Bus lässt ewig auf sich warten und als er endlich abfährt, ist er rammelvoll. In Rahlstedt angekommen, wartet die Bahn wider Erwarten tatsächlich schon am Gleis. Unsere Reise an die Ostsee kann endlich losgehen! Da wir ausreichend Pufferzeit eingeplant haben, erreichen wir das Schiff noch rechtzeitig.

Seitenanfang Ausflugsprogramm

Windjammer Khersones (von der Homepage des Veranstalters geklaut):

„Einschiffung um 9:00 Uhr, geplantes Auslaufen ca. 10:00 Uhr. Wind- und wetterbedingt segeln wir aus der Lübecker Bucht heraus. Mittags gibt es voraussichtlich eine Borschtsch oder einen anderen Eintopf aus der Bordküche, weitere Kleinigkeiten und Getränke können an Bord gekauft werden. Sie erleben hautnah, wie die Kadetten die Segel setzen bzw. einholen und gebrasst wird, mit welcher Präzision jeder Handgriff sitzt. Über die Lautsprecher wird Segelalarm angekündigt: Die Kadetten treffen sich an ihrem Mast und schon geht es los, 70 Kadetten an den Tampen, Platz wird benötigt, damit diese Arbeit überhaupt ausgeführt werden kann. Einige Kadetten in den Masten, mit welcher Schnelligkeit sind sie bereits auf den Rahen. Faszinierend zu beobachten, doch bitte haben Sie Verständnis dafür, dass auf Tagesfahrten eine Mitarbeit aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist. Ein schöner Tag auf See geht seinem Ende zu, geplante Ausschiffungszeit ist ca. 16:00 Uhr …“

Wissenswertes über die STS Khersones
Die Khersones ist ein 3-Mast-Vollschiff und gehört zu den modernen Rahseglern der „Dar Mlodziezy“-Klasse, die zwischen 1981 und 1989 auf der Danziger Werft entstanden sind, zu Zeiten der alten UdSSR. Es wurde 1988 auf der Stocznia Gdanska, Gdansk in Polen für Schulzwecke gebaut. Nach der Aufsplittung der UdSSR wurde die Khersones der Ukraine zugesprochen, die das Schiff nach wie vor für die Ausbildung von seemännischem Nachwuchs der Fischereiflotte nutzt. Ihr Heimathafen ist Kherch im Schwarzen Meer.

Die Windjammer hat eine Länge über alles von 109,40 Metern und ist 14 Meter breit. Ihr Tiefgang beträgt 6,60 Meter. Mit ihrer Segelfläche von 2.771 m² erreicht sie eine Geschwindigkeit unter Segel von 18 bis 21 Knoten. Daneben ist sie mit zwei Cegielski-Sulzer-Diesel mit je 570 PS ausgestattet. Ihre Besatzung besteht aus 40 Mann Stamm, 48 Kadetten, 3 Lehrer und zwischen 64 bis 96 Trainees und Mitsegler als Gäste.

Seitenanfang Reiseverlauf

Die Khersones liegt am Ostpreußenkai. Bei unserer Ankunft kurz nach neun hat die Einschiffung (ein Schelm, wer Böses dabei denkt ) bereits begonnen. Die Besatzung der Windjammer besteht aus der ukrainischen Mannschaft und deutschem Veranstalter-Personal. An Bord wird zunächst überprüft, ob unsere Namen auf der Teilnehmerliste stehen. Dann haben wir Zugang zum Schiff.

Windjammer Khersones Um kurz nach zehn legt die Khersones ab. Leider reicht der Wind nicht aus, um unter Segel auszulaufen. So befördern uns die tuckernden Dieselmotoren auf die See hinaus.

Bei unserem ersten Rundgang an Deck stelle ich erstaunt fest, dass sich weitaus mehr Passagiere auf dem Schiff befinden, als Sitzmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Es gibt eine handvoll Liegen auf dem Oberdeck sowie einige Stühle und Bänke. Schnell wird klar, dass es einen regelrechten Kampf um die Sitzplätze geben wird. Und ich soll Recht behalten. Zustände wie beim Pool-Urlaub auf Mallorca! Nur, dass hier nicht Sonnenliegen mit Strandtüchern belegt werden, sondern Rucksäcke und Taschen dazu herhalten müssen, einen „belegten“ Platz zu signalisieren. Von dem jeweiligen Besitzer gibt es weit und breit keine Spur. Na das haben wir gern!

Wie heißt es so schön: „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Natürlich sind nach unserem Rundgang längst alle Plätze belegt. So bleibt mir nichts anderes übrig, als es mir auf dem Boden des Decks gemütlich zu machen. Khersones Gut, dass ich Handtücher eingepackt habe. Die kann man prima als Sitzunterlage benutzen. Doch kaum habe ich ein freies, sonnig-warmes Fleckchen entdeckt und es mir bequem gemacht, da ertönt der Segelalarm. In russischem Geschrei dröhnt das erste Segelkommando aus den Lautsprechern. Bevor ich recht weiß, wie mir geschieht, bin ich von zahllosen Kadetten umringt. Nur langsam dämmert mir, dass sie offensichtlich die Segel setzen wollen. Khersones Das Problem: ich sitze im Weg. Der Platz wird gebraucht, um das Manöver durchführen zu können.

Windjammer Khersones Dieses Spielchen soll sich im Verlauf unserer Reise noch mehrere Male wiederholen. Entspannt in der Sonne zu dösen, ist ganz offensichtlich nicht möglich. Bedingt durch den wechselnden Wind und die daraus resultierenden Seemanöver werde ich ständig zwischen Steuerbord und Backbord hin und her gescheucht. So hatte ich mir unseren Schiffsausflug ganz und gar nicht vorgestellt! Vielleicht hätten die Veranstalter schlichtweg weniger Leute an Bord nehmen sollen! Die können doch nicht ernsthaft erwarten, dass sich die Passagiere, die keinen Sitz- oder Liegeplatz ergattert haben, sechs Stunden lang die Beine in den Bauch stehen.

Nur wenig später ist auch der Unmut einiger Leidensgenossen – äh Mitreisender – zu spüren. Ich bin offensichtlich nicht die Einzige, die sich die Reisebedingungen bei dem Ticket-Preis von stolzen 75 € etwas anders vorgestellt hat. Die Stimmung auf den „billigen Plätzen“ ist recht angespannt. Sie eskaliert, als wir per Lautsprecherdurchsage dazu aufgefordert werden, das Schiffsheck zu räumen. Der Veranstalter hat einen Hubschrauber gechartert, der aus der Luft Werbeaufnahmen vom Schiff machen soll. Nur macht sich ein völlig überfülltes Heck im Werbeprospekt anscheinend nicht so gut. Deshalb sollen wir verduften und uns auf das Zwischendeck zurückziehen. Der Heckbereich wird mit Schiffstauen abgesperrt und ein „Vorzeige-Pärchen“ darauf postiert, das nach Titanic-Manier à la Kate Wislet und Leonardo DiCaprio freundlich stahlend für die Kamera posiert. Khersones

Bevor sich der Hubschrauber nähert, werden wir per Durchsage angewiesen, nicht in die Kamera zu winken (wirkt wohl nicht authentisch!?). Diese Aufforderung erweist sich jedoch als taktisch unklug. Sie bewirkt bei einem vergnatzten Mitreisenden genau das Gegenteil. Sobald der Hubschrauber in Sichtweite kommt, wedelt er wie wild mit den Armen in der Luft.

Windjammer Khersones Ein wahrer Höhepunkt unserer Tour ist das im Fahrpreis inbegriffene Mittagessen. Serviert wird uns ukrainischer Borschtsch. Dazu wird Knoblauchbrot gereicht. Die Suppe – als Eintopf kann man diese Plörre nun wirklich nicht bezeichnen – ist eine echte Enttäuschung. Sie ist viel zu dünn und geschmacklich nicht gerade ein Hit. Bei der Menüplanung haben die Organisatoren erneut ihr ganzes Können unter Beweis gestellt. Ob einer von denen jemals versucht hat, im Stehen so ganz ohne Tisch, einen Teller Suppe zu essen, die bei der kleinsten Bewegung des Schiffs gefährlich nahe am Tellerrand schwappt? Wohl kaum! Hier und da dringen Aussagen wie: „Hm, schmeckt ganz gut …“ an mein Ohr. Da frage ich mich, ob diese armen Gestalten schon jemals einen RICHTIGEN Borschtsch gegessen haben. Nur gut, dass an Bord eine Art Bistro eingerichtet ist. Dort gibt es neben kalten und warmen Getränken auch Grillwürstchen, belegte Brötchen und verschiedene Kuchensorten zu kaufen. Von dem Wasserbrei werde ich jedenfalls nicht satt.

Gegen 16 Uhr nähert sich die Windjammer wieder dem Travemünder Hafen. Nach meinem sechsstündigen Spießrutenlauf bin ich heilfroh, endlich von Bord gehen zu können. Obwohl die Travemünder Festmeile lockt, das Wetter herrlich warm ist und ich normalerweise kein Straßenfest auslasse, will ich nur noch nach Hause.

Zum Glück müssen wir nicht lange auf den nächsten Zug Richtung Heimat warten. Und da die Gleisarbeiten auf der Strecke Travemünde – Hamburg zwischenzeitlich abgeschlossen sind, können wir mit der Regionalbahn bis zum Hauptbahnhof durchfahren.

Fazit: Dies war mein erster Ausflug auf einer Windjammer und bekanntlich muss man alles einmal mitgemacht haben, um mitreden zu können. Mir hat die Tour nicht gefallen, was ihr meinem Reisebericht sicherlich leicht entnehmen konntet. Hier lagen Erwartungen und Realität zu weit auseinander. Und auch das Preis-/ Leistungsverhältnis hat mich nicht überzeugt. Die Fahrt war aus meiner Sicht ein überteuertes Unterfangen, das das Geld nicht wert war. Schade! 

Fotos


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