Im Herbst 2003 und im Frühjahr 2004 hat es mich gleich zweimal beruflich nach Bratislava geführt. Für mich die Gelegenheit, die fantastische Altstadt fotografisch zu erkunden.
Bratislava — Die slowakische Hauptstadt erstreckt sich auf einer Fläche von 367 km². Sie ist
mit ihren knapp 450.000 Einwohnern eine recht kleine Metropole. Einen besonderen Charme verleiht ihr nicht zuletzt die Lage an der Donau, welche das Stadtgebiet von West nach Südost durchfließt.
Bratislava befindet sich im äußeren Südwesten der Slowakei und ist nur wenige Kilometer von der österreichischen und der ungarischen Grenze entfernt. Von Deutschland aus erreicht man es am besten über den Flughafen Wien Schwechat, der knapp eine Autostunde entfernt ist. Zwar hat Bratislava auch einen eigenen Flughafen, doch der wird von den meisten deutschen Flughäfen aus
nicht angeflogen.
[23. Okt. 2003] — Mein Hotel, das Carlton,
ein wunderschönes altes Gebäude, liegt sehr zentral inmitten der fantastischen Altstadt.
Meist nur einen Steinwurf voneinander entfernt, befinden sich hier viele sehenswerte, historische Gebäude.
An der rechten Flanke des Carlton sticht mir das Slowakische Nationaltheater (Slovenské Národné Divadlo),
in dem Opern und Ballett aufgeführt werden, regelrecht ins Auge.
Es dämmert bereits und die am Gebäude befestigten Strahler tauchen dessen Außenmauern
in ein warmes Licht. Das Nationaltheater wurde 1886 im Stil der Neurenaissance erbaut.
Zwei Jahre später wurde der Ganymede Brunnen
direkt davor aufgestellt. Er stellt den verwandelten Gott Zeus in Gestalt eines Adlers dar,
der den Jungen Ganymed auf den Olymp entführt.
Rechts vom Nationaltheater erreiche ich mit wenigen Schritten die
Reduta
(erbaut in den Jahren 1913 – 1919), in der die
Slowakische Philharmonie (Slovenská filharmónia) ihren Sitz hat. Ein paar
Meter weiter komme ich schließlich ans Donau-Ufer. Ein leichter Nieselregen hat eingesetzt.
Die Abenddämmerung malt einen farbenprächtiger Regenbogen
in den Himmel, der sich von der Donau bis hin zur Philharmonie erstreckt.
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Links vom Nationaltheater führt mich eine schmale Straße direkt ins
Herz der Altstadt. In ihren winzigen Gassen
stoße ich auf kuriose Gestalten. Wie den schönen Naci,
der höflich seinen Hut zieht, als ich an ihm vorbei gehe.
Ganz anders der Gaffer. Er hat sich am Straßenrand in einem Gullyschacht
versteckt und beobachtet von dort aus unbemerkt das Geschehen.
Allerdings hat ihn sein Unterschlupf schon zweimal den Kopf gekostet. Der arme Gaffer wurde von vorbeifahrenden
Kraftfahrzeugen übersehen und umgefahren. Und so entschied man, durch ein emporragendes Verkehrsschild auf ihn
aufmerksam zu machen.
Und dann ist da noch der Paparazzi
. Er hat sich hinter einer Häuserecke
versteckt, um möglichst ungesehen fotografieren zu können.
Restaurant-Tipp: Das gleichnamige Restaurant Paparazzi, das sich in dem Haus befindet, gilt als Geheim-Tipp feinster italienischer Küche (und ist auch mein persönliches Lieblings-Restaurant in der Stadt).
Das Zentrum der Altstadt bildet der Hauptplatz.
Er wird von einigen Cafés und Restaurants gesäumt. Bei Touristen besonders beliebt sind das
Kaffee Mayer,
in dem hervorragende slowakische
und wienerische Kuchen- und Tortenspezialitäten serviert werden, und
das Roland Café-Restaurant.
Letzteres bietet einen Cafébetrieb
im Parterre und ein elegantes Restaurant im Souterrain.
Den Mittelpunkt des Hauptplatzes nimmt der Maximilian (Roland) Brunnen,
für sich ein, den König Maximilian II bauen ließ.
Am östlichen Rand des Hauptplatzes liegt das Alte Rathaus
mit seinem Barock-Türmchen, das heute als
Museum (Múzeum dejín mesta) genutzt wird. Links am Turm vorbei gelange ich zum
Primacial Palais,
der sich direkt hinter dem alten Rathaus befindet. Im Palais hat der Bürgermeister seinen Sitz und
die Galerie der Stadt nutzt einige Räume als Ausstellungsfläche. Das Tympanon des Palais'
ist übrigens mit einem Mosaik aus schätzungsweise 320.000 winzigen Steinchen verziert.
Mein Spaziergang führt mich weiter zum nahe gelegenen Franziskaner Kloster
mit seinem neugotischen Klosterturm,
dann zur Klarissinnen Kirche
und schließlich zum Michaeler Tor.
Die Klarissinnen Kirche dient heute als Konzert- und Ausstellungssaal. Das Michaeler Tor mit seinem über
50 Meter hohen Turm war zusammen mit drei weiteren Toren Bestandteil der Befestigungsanlage der Stadt.
Der Fotobummel endet am Grassalkovich Palais,
der heute als Präsidenten Palais fungiert.
Mittlerweile hat sich der feine Nieselregen vollständig durch meine Kleidung gefressen. Ich fühle mich regelrecht durchgeweicht und fröstele ein wenig. In der Hoffnung auf eine heiße Schokolade zum Mitnehmen mache ich auf dem Rückweg zum Hotel einen Abstecher ins Kaffee Mayer. „Hot chocolate to go?“, erwidert die Bedienung verständnislos. Sie schaut mich an, als käme ich von einem anderen Stern. Schade, so ein heißer Kakao wäre jetzt genau das Richtige gewesen …
[24. April 2004] — Leider konnte ich die Burg (Bratislavský hrad) bei meinem letzten Besuch
nicht besichtigen. Das lag unter anderem daran, dass das Burggelände nur zu bestimmten
Öffnungszeiten für Besucher zugänglich ist. Heute müsste es klappen.
Von der Donau kommend, steige ich einen schmalen Pfad nach oben. Er führt mich
zum besterhaltenen Burgtor, dem Sigismundtor,
das aus der
ersten Hälfte des 15. Jh. Oben angekommen stelle ich verwundert fest, dass
das Gitter verschlossen ist. So ein Mist. Offensichtlich ist die Angabe der Öffnungszeiten in meinem kleinen
Reiseführer nicht mehr aktuell. Gerade als ich enttäuscht umkehren will, bemerke ich
einen schmalen Weg, der links vom Burgtor verläuft - und der ebenfalls zur Burg hoch führt.
Die Burg ist das Wahrzeichen Bratislavas. Bereits im
1. Jh. n. Chr. wurden auf dem Burghügel die ersten gemauerten
Bauten durch die Römer errichtet. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder verschiedene Burganlagen oder Umbauten
an der bestehenden Burganlage vorgenommen. Die heutige Form erhielt die Burg in den Jahren 1635 - 1649,
als zu dem Krönungsturm noch drei Ecktürme gebaut wurden.
Zweimal fiel die Burg den Flammen zum Opfer (im 16. und im 19. Jh.).
1950 und 1960 wurde sie renoviert. Heute dient sie der Staatsrepräsentation und als Ausstellungsort für Exponate des Slowakischen
Nationaltheaters.
Zwar habe ich keine Lust, die Burg von Innen zu besichtigen. Doch der steile Aufstieg auf den Burghügel hat
sich allemal gelohnt. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt
und auf die Donau.