Potsdam und Berlin – das waren die Ziele unseres dreitägigen Kurzurlaubs im Oktober 2004. Neben der obligatorischen Stadtbesichtigung stand ein Besuch des Filmpars Babelsberg auf unserem Ausflugsprogramm.
[19. Okt. 2004] — Nach dem ersten Stopp im »Filmpark Babelsberg geht es gegen
Abend weiter nach Berlin. Nach dem Check-in im Hotel fahren wir mit der U-Bahn zum Hackeschen Markt. Dort
schlendern wir durch die Hackeschen Höfe.
Dieses Hof-Labyrinth, das aus acht verschachtelten Hinterhöfen besteht, wird sowohl aus Wohn- als auch
als Gewerbefläche genutzt. Hier befinden sich neben den Wohnhäusern mehrere Bars,
Kneipen und Restaurants sowie Varieté, Kino und interessante kleine Läden. Ich finde
den Ampelmann Shop in Hof 5 besonders
interessant, in dem es die lustigen Ost-Ampelmännchen in Form von
T-Shirts, Gummibärchen, Radiergummis, Korkenzieher und dergleichen zu kaufen gibt.
Mit einem delikaten Essen in einem schicken
türkischen Restaurant,
das etwas versteckt in einem kleinen Hinterhof der Oranienburger Straße liegt,
lassen wir den Abend ausklingen.
Wo: Ruschestraße 103, Haus 1, 10365 Berlin ![]()
Wann: Mo. bis Fr. 10 – 18 Uhr, Sa. und So. 14 – 18 Uhr
Infos: www.stasimuseum.de
Preise: Erwachsene 4 €, Kinder 2,50 €
(Stand: März 2008)
[20. Okt. 2004] — Nach dem Frühstück setzen wir uns in die U-Bahn und fahren zum
Stasi-Museum.
Die „Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße“,
wie sich das Museum offiziell nennt, befindet sich in Haus 1 der ehemaligen
Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Von diesem Haus
aus befehligte Erich Mielke den riesigen Unterdrückungsapparat der SED.
Hier befand sich auch die Arbeitsgruppe des Ministers, welche die federführende
Verantwortung für alle Aufgaben der Mobilmachung im Ministerium innehatte, wie es im Prospekt
so schön heißt.
Dazu gehörten unter anderem die Vorbereitung so genannter „spezifisch-operativer
Maßnahmen“ einschließlich der Planung zur Verhaftung, Internierung
und Isolierung von „Feinden“ im Ernstfall.
Das Kassenhäschen befindet sich im Foyer. Da das Fotografieren
nur gegen Zahlung einer geringen Gebühr erlaubt ist, erstehe ich auch
noch eine Fotografiererlaubnis. Der schon leicht betagte Herr an der Kasse händigt mir ein FDJ-Stoffabzeichen aus,
das mit einem Stempel des Museums versehen ist. Das Ding soll ich, quasi als Ausweis,
auf Verlangen vorzeigen.
Das Museum ist in drei Teile untergliedert. Der erste Teil
„Überwachen – Unterdrücken –
Spionieren“ im Erdgeschoss zeigt eine Ausstellung
verschiedener Objekte und Techniken, die zur Bespitzelung und Observation
eingesetzt wurden.
Besonders schockierend finde ich den Gefangenentransportwagen vor der Treppe,
in dem sich fünf winzige Haftzellen ohne Belüftung und Tageslicht befinden.
Als Lieferwagen getarnt, wurden darin die Gefangenen wie Mastvieh zu den
Untersuchungshaftanstalten, von denen das Ministerium siebzehn an der Zahl unterhielt,
abtransportiert. Unvorstellbar unter welch unmenschlichen Bedingungen die Inhaftierten
eingesperrt und weggeschafft wurden!
In der ersten Etage besichtigen wir die ehemaligen
Arbeitsräume des Ministers
für Staatssicherheit, die weitgehend im Originalzustand geblieben sind.
Die Verfolgung und der Widerstand in Ostdeutschland von
1945 bis 1989 sowie die Selbstbefreiung 1989/90 ist im dritten
Ausstellungsteil (in der zweiten Etage) sehr ausführlich dokumentiert.
Die ausgiebige Lektüre der Dokumentation nimmt gut zwei Stunden in Anspruch.
Als wir das Museum verlassen, habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Ich bin ziemlich
betroffen und auch ein wenig erschlagen von der Informationsvielfalt. Es fällt mir schwer
zu begreifen, mit welch menschenverachtenden Methoden gearbeitet
wurde, um die Bürger im politischen Sinne gefügig zu machen und
den geringsten Widerstand bereits im Keim zu ersticken.
Um den Kopf wieder frei zu bekommen und ein wenig Frischluft zu tanken, entschließen wir
uns zu einem ausgedehnten Spaziergang am Alexanderplatz. Sein unverkennbares Wahrzeichen,
der 1965 eingeweihte Fernsehturm,
dominiert den Platz. Der Riese ist mit seinen 368 Metern schon von weitem zu sehen.
Nur ein paar Meter vom Turm entfernt befindet sich die Marienkirche,
die im 13. Jh. entstand. Sie ist neben der Nikolaikirche das älteste
erhaltene Gotteshaus in Berlin. Der Neptunbrunnen
auf dem Platz vor der Kirche gefällt mir besonders gut. Er wurde wohl 1886 errichtet, aber erst 1969 an
seinem jetzigen Standort platziert.
Das imposanteste Bauwerk auf dem Platz ist aber ohne Zweifel das
Rote Rathaus
von 1869, in dem der Berliner Senat seinen Sitz hat.
Die zwei eisernen Herren auf der gegenüberliegenden Straßenseite erinnern an
die sozialistische Vergangenheit des Ostteils der Stadt. Vor der goldigen Fensterfront des Palasts der
Republik blicken Marx und Engels,
in Form einer Doppelstatue, mürrisch drein. Sicherlich sind die beiden etwas verstimmt,
weil ein paar Halbstarke einer französischen Schülergruppe auf ihnen herumturnen. Nach gut
fünf Minuten zieht die Gruppe endlich weiter, und ich kann einen Schnappschuss machen.
Wir überqueren die Rathausstraße und erreichen
die Nikolaikirche mit ihren Zwillingstürmen. Dann schlendern wir am
Spreeufer entlang bis wir zur Mühlendammschleuse und zum kleinen Hafen kommen. Von dort
laufen wir eine Schleife, zurück zur Karl-Liebknecht-Straße, die
uns schließlich zur Museumsinsel
führt.
Als ich den prunkvollen Berliner Dom
auf der Parkanlage,
dem Lustgarten,
erblicke, bin ich derart verzückt, dass ich ihn unbedingt von Innen sehen möchte.
Der Dom ist der größte protestantische Kirchenbau des 19. Jh. in Deutschland
und wurde von 1894 bis 1905 erbaut. Der so genannte Domerhaltungsbeitrag von fünf Euro, den sie uns an der Kasse
abknöpfen, berechtigt uns, auch die Domkuppel und die Hohenzollern-Gruft zu besichtigen. Ich bin regelrecht sprachlos und auch überrascht als wir die
Predigtkirche betreten. Eine derart prachtvolle Innenausstattung, aus Marmor, Stuck und Gold, habe ich bisher
nur in katholischen Sakralbauten gesehen. Besonders gut gefallen mir die farbenprächtigen
Buntglasfenster in der Apsis,
die Mosaiken der vier Evangelisten an der Innenkuppel und die Sauer-Orgel
mit ihren 7.200 Pfeifen.
Der Aufstieg über die vielen Treppen zur Domkuppel ist etwas müßig,
aber dafür werden wir mit einen fantastischen Panoramablick auf Berlin
entschädigt. Nachdem ich einige Luftbilder aufgenommen habe, steigen wir in die Hohenzollern-Gruft
hinab. In dem 1.300 m² großen Gewölbe sind 94 Särge des
Herschergeschlechts aufgereiht.
Nach der Dombesichtigung inspizieren wir das Alte und das Neue Museum – allerdings nur von außen.
Das Alte Museum
erinnert mich mit seinen achtzehn ionischen Säulen ein bisschen an einen römischen Tempel. Es zählt zu den
schönsten klassizistischen Bauwerken der Welt. 1830 wurde es als Museumsgebäude
für die königliche Gemälde- und Antikensammlung errichtet.
Doch schon bald war es für die umfangreiche Sammlung zu klein wurde, so dass man 1841
gleich dahinter das Neue Museum errichtete.
Wir lassen den Lustgarten hinter uns und überqueren die Schlossbrücke in Richtung
Unter den Linden. Wir gehen vorbei am Deutschen Historischen Museum,
der Neuen Wache
und der Humboldt-Universität, dem Reiterstandbild des Alten Fritz
(auch bekannt als Friedrich der Große)
und an der Staatsoper.
Die neobarocke Staatsbibliothek
mit ihrer mit Efeu bewachsenen Fassade schauen wir uns etwas genauer an.
Am Ende der Linden erreichen wir schließlich das berühmte Brandenburger Tor
auf dem Pariser Platz.
Von hier aus unternehmen wir einen Schaufensterbummel über die
Friedrichstraße und gelangen über eine Seitenstraße, die an den
Galeries Lafayette abgeht, den Gendarmenmarkt.
Welch herrlicher Anblick! Hier reihen sich die Sehenswürdigkeiten auf wie an einer Perlenschnur.
Kein Wunder, dass der Gendarmenmarkt als
schönster Platz Berlins gilt! Er wird malerisch eingerahmt vom Schauspielhaus,
dem Französischen Dom und dem Deutschen Dom. Der
Französische Dom wird bis heute als
Hauptkirche der hugenottischen Gemeinde genutzt. Das Hugenotten-Museum ist ebenfalls darin untergebracht.
Der Deutsche Dom
wird heute nicht mehr als
Gotteshaus genutzt, er beherbergt heute eine Ausstellung.
Nach diesem Abstecher kehren wir zurück zur Friedrichstraße mit
Ziel auf Checkpoint Charlie.
Das ehemalige Grenzhäuschen, das man aus zahllosen Filmen kennt, steht nun recht unscheinbar
auf einem Mittelstreifen. Zu Mauerzeiten war dieser Grenzübergang Alliierten und Ausländern
vorbehalten. Heute lassen nur noch die Grenzschilder erahnen, dass die Stadt an dieser Stelle Jahrzehnte
lang geteilt war.
Allmählich tun uns die Füße weh und auch das Hungergefühl
lässt sich nicht länger verleugnen. So steigen erneut in die
U-Bahn und fahren in die Oranienburger Straße. Nur ein paar Schritte von der
Neuen Synagoge
entfernt kehren wir in ein
mexikanisches Restaurant ein, wo wir mit deftigen Fajitas den
Gaumenfreuden frönen …
[21. Okt. 2004] — Am dritten Tag starten wir unsere Sightseeingtour
am Potsdamer Platz.
Vor dort aus machen wir einen Spaziergang durch den Tiergarten und schlendern
anschließend die Ebertstraße entlang bis wir den
Reichstag
erreichen. Liebend gern würden wir die den Reichstag besichtigen und die Glaskuppel hinauf
steigen. Doch die endlose Warteschlage vor dem Eingang, die nur im Schneckentempo vorankommt,
hat eine derart abschreckende Wirkung, dass wir darauf verzichten.
An der Haltestelle Platz der Republik steigen wir in den 100er Bus mit Ziel Bahnhof
Zoologischer Garten. Eigentlich wollen wir am Schloss Bellevue aussteigen, um ein paar Aufnahmen
zu machen. Aber das Gebäude ist wegen Bauarbeiten eingerüstet und bietet kein schönes
Motiv.
Gut, dann eben weiter zum Großen Stern. Hier legten wir einen Zwischenstopp ein. Wir wollen die
48 Meter hohe Aussichtsplattform der „Goldelse“ besteigen. Doch dieses Vorhaben fällt im
wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Als wir gerade an der Ampel vor der Siegessäule stehen,
bricht ein derartiger Platzregen über uns herein, dass wir zum Bushaltestelle zurück laufen
und in den nächsten Bus zum Zoologischen Garten einsteigen.
Stadtrundfahrt für kleines Geld: Die Buslinie 100 des BVG eignet sich hervorragend für eine günstige, wenn auch unkommentierte, Stadtrundfahrt. Die Doppeldeckerbusse fahren ab Alexanderplatz über Lustgarten – Staatsoper – Unter den Linden – Reichstag – Platz der Republik – Haus der Kulturen der Welt – Schloss Bellevue – Großer Stern – und enden schließlich am Zoologischen Garten.
Später fahren wir mit der U-Bahn zum Sophie-Charlotte-Platz.
Über die Schlossstraße gehen wir direkt auf das Schloss
Charlottenburg
zu. Es entstand 1695 bis 1699 als Sommerresidenz für Sophie Charlotte,
die Gemahlin des Kurfürsten Friedrichs III und ist das größte und schönste
Schloss Berlins. Eine Schlossbesichtigung wäre sicherlich äußerst
interessant, doch unser Ziel ist nicht das Schloss sondern das Bonhoeffer Ufer,
von wo aus die Ausflugsboote zur Spreefahrt ablegen. So begnügen wir uns mit
ein paar Außenaufnahmen vom Schloss
und gehen zur Anlegestelle.
Die gut zweistündige Spreefahrt führe uns vorbei an Schloss Bellevue,
Haus der Kulturen der Welt, Regierungsviertel, Reichstag,
Museumsinsel, Berliner Dom,
Nikolaiviertel
und der Mühlendammschleuse und endet schließlich an der Jannowitzbrücke.
Vieles davon hatten wir bereits vom Festland aus gesehen, aber die „Stadtrundfahrt
auf dem Wasser“ hat durchaus ihren Charme und bietet fantastische
Fotomotive.
Mit dem Ende der Bootstour geht auch unsere Berlin-Tour ihrem Ende entgegen.
Wir haben in den vergangenen drei Tagen viel gesehen und reichlich neue Eindrücke
gesammelt. Und wer weiß, wie viele Kilometer Wegstrecke wir unseren Füßen zugemutet haben.
Berlin hat mir sehr gut gefallen, so dass dies bestimmt nicht meine letzte Berlin-Reise
gewesen sein wird …