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11.03.2010 | 13:36 Uhr
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Im Herbst 2003 hat es mich gleich zweimal beruflich nach Bratislava geführt. Für mich die Gelegenheit, Bratislavas fantastische Altstadt bei einem Stadtrundgang fotografisch zu erkunden.
Bratislava — Die slowakische Hauptstadt erstreckt sich auf einer Fläche von 367 km². Sie ist mit ihren knapp 450.000 Einwohnern eine recht kleine Metropole. Einen besonderen Charme verleiht ihr nicht zuletzt die Lage an der Donau, welche das Stadtgebiet von West nach Südost durchfließt.
Bratislava befindet sich im äußeren Südwesten der Slowakei und ist nur wenige Kilometer von der österreichischen und der ungarischen Grenze entfernt. Von Deutschland aus erreicht man es am besten über den Flughafen Wien Schwechat, der knapp eine Autostunde entfernt ist. Zwar hat Bratislava auch einen eigenen Flughafen, doch der wird von den meisten deutschen Flughäfen aus nicht angeflogen. Vom Flughafen Wien fahren mehrmals täglich Busse ins Zentrum von Bratislava, wie die Austria Eurolines oder der ÖBB-Personenverkehr.
[Di, 23. Sept. 2003] — Mein Hotel, das Carlton,
ein wunderschönes altes Gebäude aus dem Jahr 1837, liegt sehr zentral inmitten der fantastischen Altstadt. Meist nur einen Steinwurf voneinander entfernt, befinden sich hier viele sehenswerte historische Gebäude.
An der rechten Flanke des Carlton sticht mir das Slowakische Nationaltheater (Slovenské Národné Divadlo),
in dem Opern und Ballett aufgeführt werden, regelrecht ins Auge. Es dämmert bereits und die am Gebäude befestigten Strahler tauchen dessen Außenmauern in ein warmes Licht.
Das Nationaltheater wurde 1886 im Stil der Neurenaissance erbaut.
Zwei Jahre später wurde der Ganymede Brunnen (Ganymedova fontána)
direkt davor aufgestellt. Er stellt den verwandelten Gott Zeus in Gestalt eines Adlers dar, der den Jungen Ganymed auf den Olymp entführt.
Rechts vom Nationaltheater erreiche ich mit wenigen Schritten die Reduta,
die in ihrer heutigen Form in den den Jahren 1913 bis 1919 entstand. In dem noblen Gebäude hat die
Slowakische Philharmonie (Slovenská filharmónia) ihren Sitz.
Ein paar Meter weiter komme ich schließlich ans Donau-Ufer. Ein leichter Nieselregen hat eingesetzt.
Die Abenddämmerung malt einen farbenprächtiger Regenbogen in den Himmel, der sich von der Donau bis hin zur Philharmonie erstreckt.
Links vom Nationaltheater führt mich eine schmale Straße, die Rybárska brána,
direkt ins Herz der Altstadt.
In ihren winzigen Gassen
stoße ich auf kuriose Gestalten. Wie den schönen Náci (Pekný Náci Ignác),
der höflich seinen Hut zieht, als ich an ihm vorbei gehe.
Ganz anders der Gaffer (Čumil). Er hat sich am Straßenrand in einem Gullyschacht
versteckt und beobachtet von dort aus unbemerkt das Geschehen.
Allerdings hat ihn sein Unterschlupf schon zweimal den Kopf gekostet – der arme Gaffer wurde von vorbeifahrenden Kraftfahrzeugen übersehen und umgefahren. Und so entschied man, durch ein emporragendes Verkehrsschild auf ihn aufmerksam zu machen.
Und dann ist da noch der Paparazzi.
Er hat sich hinter einer Häuserecke
in der Laurinská Straße versteckt, um möglichst ungesehen fotografieren zu können.
Restaurant-Tipp: Das gleichnamige Restaurant Paparazzi, das sich in dem Haus befindet, gilt als Geheim-Tipp feinster italienischer Küche (und ist auch mein persönliches Lieblings-Restaurant in der Stadt).
Das Zentrum der Altstadt bildet der Hauptplatz (Hlavné námestie).
Er wird von einigen Cafés und Restaurants gesäumt. Bei Touristen besonders beliebt sind das Café Mayer (Kaffee Mayer), in dem hervorragende slowakische und wienerische Kuchen- und Tortenspezialitäten serviert werden,
und das Roland Café-Restaurant. Letzteres bietet einen Cafébetrieb im Parterre und ein elegantes Restaurant im Souterrain. Den Mittelpunkt des Hauptplatzes nimmt der Maximilian (Roland) Brunnen (Maximiliánova [Rolandova] fontána),
für sich ein, den König Maximilian II. bauen ließ.
Am östlichen Rand des Hauptplatzes liegt das Alte Rathaus (Stará radnica)
mit seinem Barock-Türmchen. Der Komplex besteht aus mehreren Gebäuden verschiedener Stilepochen. Mit seinem Kern
aus dem 14. Jh. ist das Alte Rathaus – nomen est omen – das älteste Rathaus der Slowakei.
In seiner ursprünglichen Funktion als Sitz der Verwaltung wurde es bis zur zweiten Hälfte des 19. Jh. genutzt.
Heute befindet sich hier das Städtische Museum (Múzeum dejín mesta) sowie das Stadtarchiv.
Links am Turm vorbei gelange ich zum Erzbischöflichen Palais (Arcibiskupskż Palác), auch Primacial Palais (Primaciálny palác) genannt, das Kardinal Josef Batthyanyi von 1776 bis 1781 erbauen ließ.
Nach dem Brand der »Burg wohnten in ihm die ungarischen Könige. 1903 erwarb die Stadt das Palais, in dem heute der Bürgermeister seinen Sitz hat. Einige Räume nutzt zudem die Galerie der Stadt (Galéria mesta Bratislavy) als Ausstellungsfläche. Das Tympanon des Palais’
ist übrigens mit einem Mosaik aus schätzungsweise 320.000 winzigen Steinchen verziert.
Mein Spaziergang führt mich weiter zum nahe gelegenen Franziskaner Kloster nebst Kirche (Františkánsky kostol a kláštor) mit seinem neugotischen Klosterturm.
Vorbei an der Klarissinnen Kirche (Klariský kostol)
gelange ich schließlich zum Michaeler Tor (Michalská brána).
Die Klarissinnen Kirche dient heute als Konzert- und Ausstellungssaal. Das Michaeler Tor mit seinem über
50 Meter hohen Turm war zusammen mit drei weiteren Toren Bestandteil der Befestigungsanlage der Stadt.
Der Fotobummel endet am Grassalkovich Palais (Grassalkovičov palác),
der heute als Präsidentenpalais (Prezidentský palác) fungiert. Besonders beeindruckend ist der Springbrunnen (Fontána Zem) vor dem Palais,
in dessen Mitte eine mannshohe Kugel thront.
Mittlerweile hat sich der feine Nieselregen vollständig durch meine Kleidung gefressen. Ich fühle mich regelrecht durchgeweicht und fröstele ein wenig. In der Hoffnung auf eine heiße Schokolade zum Mitnehmen mache ich auf dem Rückweg zum Hotel einen Abstecher ins Café Mayer. „Hot chocolate to go?“, erwidert die Bedienung verständnislos. Sie schaut mich an, als käme ich von einem anderen Stern. Schade, so ein heißer Kakao wäre jetzt genau das Richtige gewesen …
[Di, 28. Okt. 2003] — Leider konnte ich die Burg (Bratislavský hrad) bei meinem letzten Besuch
nicht besichtigen. Das lag unter anderem daran, dass das Burggelände nur zu bestimmten
Öffnungszeiten für Besucher zugänglich ist. Heute müsste es klappen.
Von der Donau kommend, steige ich einen schmalen Pfad nach oben. Er führt mich
zum besterhaltenen Burgtor, dem Sigismundtor,
das aus der
ersten Hälfte des 15. Jh. stammt. Oben angekommen stelle ich verwundert fest, dass
das Gitter verschlossen ist. So ein Mist. Offensichtlich ist die Angabe der Öffnungszeiten in meinem kleinen
Reiseführer nicht mehr aktuell. Gerade als ich enttäuscht umkehren will, bemerke ich
einen schmalen Weg, der links vom Burgtor verläuft – und der ebenfalls zur Burg hoch führt. Den hätte ich beinhahe übersehen.
Die Burg
ist das Wahrzeichen Bratislavas. Bereits im
1. Jh. n. Chr. wurden auf dem Burghügel die ersten gemauerten
Bauten durch die Römer errichtet. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder An- oder Umbauten
an der bestehenden Burganlage vorgenommen. Die heutige Form erhielt die Burg in den Jahren 1635 bis 1649,
als zu dem Krönungsturm noch drei Ecktürme gebaut wurden.
Zweimal fiel die Burg den Flammen zum Opfer (im 16. und im 19. Jh.). In den 1950er und 60er Jahren wurde sie renoviert. Heute dient sie der Staatsrepräsentation und als Ausstellungsort für Exponate des Slowakischen Nationalmuseums (Slovenské národné múzeum).
Zwar habe ich keine Lust, die Burg von Innen zu besichtigen. Doch der steile Aufstieg auf den Burghügel hat
sich allemal gelohnt. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die Neue Brücke (Nový Most) und auf die Donau.
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