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05.02.2012 | 19:48 Uhr

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Berlin – Dreitages Tour durch die Bundeshauptstadt

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Tag 1 – Di, 19 Okt. 2004 –
Strecke: Hamburg – Potsdam – Berlin (345 km)
Unterkunft: ABACUS Tierpark Hotel, Berlin-Friedrichsfelde (65 € DZ exkl. Frühstück)

Nach dem ersten Stopp im »Filmpark Babelsberg geht es abends weiter nach Berlin. Nach dem Check-in im Hotel fahren wir mit der U-Bahn zum Hackeschen Markt. Dort schlendern wir durch die Hackeschen Höfe. Berlin Dieses Hof-Labyrinth, das aus acht verschachtelten Hinter­höfen besteht, wird sowohl aus Wohn- als auch als Gewerbe­fläche genutzt. Hier befinden sich neben den Wohnhäusern mehrere Bars, Kneipen und Restaurants sowie Varieté, Kino und interessante kleine Läden. Ich finde den Ampelmann Shop in Hof 5 besonders interessant, in dem es die lustigen Ost-Ampel­männchen in Form von T-Shirts, Gummi­bärchen, Radier­gummis, Korken­zieher und dergleichen zu kaufen gibt.

Mit einem delikaten Essen in einem schicken türkischen Restaurant, Visitenkarte das etwas versteckt in einem kleinen Hinterhof der Oranienburger Straße liegt, lassen wir den Abend ausklingen.

Tag 2 – Mi, 20 Okt. 2004 –
Strecke: Berlin (per Nahverkehr)
Unterkunft: ABACUS Tierpark Hotel, Berlin-Friedrichsfelde (65 € DZ exkl. Frühstück)

Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße

Nach dem Frühstück setzen wir uns in die U-Bahn und fahren zum Stasi-Museum. Die „Forschungs- und Gedenkstätte Normannen­straße“, wie sich das Museum offiziell nennt, befindet sich in Haus 1 der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staats­sicherheit der DDR. Von diesem Haus aus befehligte Erich Mielke den riesigen Unter­drückungs­apparat der SED. Hier befand sich auch die Arbeits­gruppe des Ministers, welche die feder­führende Verantwortung für alle Aufgaben der Mobil­machung im Ministerium innehatte, wie es im Prospekt so schön heißt. Dazu gehörten unter anderem die Vorbereitung so genannter „spezifisch-operativer Maßnahmen“ einschließlich der Planung zur Verhaftung, Internierung und Isolierung von „Feinden“ im Ernstfall.

Das Kassen­häschen befindet sich im Foyer. Da das Fotografieren nur gegen Zahlung einer geringen Gebühr erlaubt ist, erstehe ich auch noch eine Fotografier­erlaubnis. Der schon leicht betagte Herr an der Kasse händigt mir ein FDJ-Stoff­abzeichen aus, Berlin das mit einem Stempel des Museums versehen ist. Das Ding soll ich, quasi als Ausweis, auf Verlangen vorzeigen.

Das Museum ist in drei Teile untergliedert. Der erste Teil „Überwachen – Unterdrücken – Spionieren“ im Erdgeschoss zeigt eine Ausstellung verschiedener Objekte und Techniken, die zur Bespitzelung und Observation eingesetzt wurden. Berlin Besonders schockierend finde ich den Gefangenen­transport­wagen vor der Treppe, Berlin in dem sich fünf winzige Haftzellen ohne Belüftung und Tageslicht befinden. Als Liefer­wagen getarnt, wurden darin die Gefangenen wie Mastvieh zu den Untersuchungs­haftanstalten, von denen das Ministerium siebzehn an der Zahl unterhielt, abtransportiert. Unvorstellbar unter welch unmenschlichen Bedingungen die Inhaftierten eingesperrt und weggeschafft wurden!

In der ersten Etage besichtigen wir die ehemaligen Arbeitsräume des Ministers für Staats­sicherheit, die weitgehend im Original­zustand geblieben sind. Die Verfolgung und der Widerstand in Ostdeutschland von 1945 bis 1989 sowie die Selbst­befreiung 1989/90 ist im dritten Ausstellungsteil (in der zweiten Etage) sehr ausführlich dokumentiert.

Die ausgiebige Lektüre der Dokumentation nimmt gut zwei Stunden in Anspruch. Als wir das Museum verlassen, habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Ich bin ziemlich betroffen und auch ein wenig erschlagen von der Informations­vielfalt. Es fällt mir schwer zu begreifen, mit welch menschen­verachtenden Methoden gearbeitet wurde, um die Bürger im politischen Sinne gefügig zu machen und den geringsten Widerstand bereits im Keim zu ersticken.

Alexanderplatz

Um den Kopf wieder frei zu bekommen und ein wenig Frischluft zu tanken, entschließen wir uns zu einem ausgedehnten Spaziergang am Alexander­platz. Sein unverkennbares Wahr­zeichen, der 1965 eingeweihte Fernsehturm, Berlin dominiert den Platz. Der Riese ist mit seinen 368 Metern schon von weitem zu sehen.

Nur ein paar Meter vom Turm entfernt befindet sich die Marienkirche, Berlin die im 13. Jh. entstand. Sie ist neben der Nikolai­kirche das älteste erhaltene Gotteshaus in Berlin. Der Neptunbrunnen Berlin auf dem Platz vor der Kirche gefällt mir besonders gut. Er wurde wohl 1886 errichtet, aber erst 1969 an seinem jetzigen Standort platziert.

Das imposanteste Bauwerk auf dem Platz ist aber ohne Zweifel das Rote Rathaus Berlin Berlin von 1869, in dem der Berliner Senat seinen Sitz hat.

Die zwei eisernen Herren auf der gegenüber­liegenden Straßen­seite erinnern an die sozialistische Vergangenheit des Ostteils der Stadt. Vor der goldigen Fenster­front des Palasts der Republik blicken Marx und Engels, Berlin in Form einer Doppel­statue, mürrisch drein. Sicherlich sind die beiden etwas verstimmt, weil ein paar Halbstarke einer französischen Schüler­gruppe auf ihnen herumturnen. Nach gut fünf Minuten zieht die Gruppe endlich weiter, und ich kann einen Schnapp­schuss machen.

Wir überqueren die Rathausstraße und erreichen das Nikolaiviertel, dessen Namengeber die Nikolaikirche mit ihren Zwillings­türmen ist. Dann schlendern wir am Spreeufer entlang bis wir zur Mühlendamm­schleuse und zum kleinen Hafen kommen. Von dort laufen wir eine Schleife, zurück zur Karl-Liebknecht-Straße, die uns schließlich zur Museumsinsel führt.

Museumsinsel: Berliner Dom, Altes und Neues Museum

Als ich den prunkvollen Berliner Dom Berlin auf der Park­anlage, dem Lustgarten, Berlin erblicke, bin ich derart verzückt, dass ich ihn unbedingt von Innen sehen möchte. Der Dom ist der größte protestantische Kirchen­bau des 19. Jh. in Deutschland und wurde von 1894 bis 1905 erbaut. Der so genannte Dom­erhaltungs­beitrag von 5 €, den sie uns an der Kasse abknöpfen, berechtigt uns, auch die Domkuppel und die Hohenzollern-Gruft zu besichtigen. Ich bin regelrecht sprachlos und auch überrascht als wir die Predigt­kirche betreten. Eine derart prachtvolle Innen­ausstattung, aus Marmor, Stuck und Gold, habe ich bisher nur in katholischen Sakral­bauten gesehen. Besonders gut gefallen mir die farben­prächtigen Buntglas­fenster in der Apsis, Berlin die Mosaiken der vier Evangelisten an der Innenkuppel und die Sauer-Orgel mit ihren 7.200 Pfeifen.

Der Aufstieg über die vielen Treppen zur Domkuppel ist etwas müßig, aber dafür werden wir mit einen fantastischen Panorama­blick auf Berlin Berlin entschädigt. Nachdem ich einige Luftbilder aufgenommen habe, steigen wir in die Hohenzollern-Gruft hinab. In dem 1.300 m² großen Gewölbe sind 94 Särge des Herscher­geschlechts aufgereiht.

Nach der Dombesichtigung inspizieren wir das Alte und das Neue Museum – allerdings nur von außen. Das Alte Museum Berlin erinnert mich mit seinen achtzehn ionischen Säulen ein bisschen an einen römischen Tempel. Es zählt zu den schönsten klassizistischen Bauwerken der Welt. 1830 wurde es als Museums­gebäude für die königliche Gemälde- und Antiken­sammlung errichtet. Doch schon bald war es für die umfangreiche Sammlung zu klein wurde, so dass man 1841 gleich dahinter das Neue Museum errichtete. Berlin Berlin

Unter den Linden und Gendarmenmarkt

Wir lassen den Lustgarten hinter uns und überqueren die Schloss­brücke in Richtung Unter den Linden. Wir gehen vorbei am Deutschen Historischen Museum, Berlin der Neuen Wache Berlin und der Humboldt-Universität, dem Reiter­standbild des Alten Fritz (auch bekannt als Friedrich der Große) Berlin und an der Staatsoper. Berlin Die neobarocke Staatsbibliothek Berlin mit ihrer mit Efeu bewachsenen Fassade schauen wir uns etwas genauer an. Am Ende der Linden erreichen wir schließlich das berühmte Brandenburger Tor Berlin auf dem Pariser Platz.

Von hier aus unternehmen wir einen Schau­fenster­bummel über die Friedrich­straße und gelangen über eine Seiten­straße, die an den Galeries Lafayette abgeht, zum Gendarmenmarkt. Welch herrlicher Anblick! Hier reihen sich die Sehens­würdig­keiten auf wie an einer Perlen­schnur. Kein Wunder, dass der Gendarmen­markt als schönster Platz Berlins gilt! Er wird malerisch eingerahmt vom Schauspielhaus, Berlin dem Französischen Dom und dem Deutschen Dom. Der Französische Dom wird bis heute als Haupt­kirche der hugenottischen Gemeinde genutzt. Das Hugenotten-Museum ist ebenfalls darin unter­gebracht. Der Deutsche Dom Berlin wird heute nicht mehr als Gotteshaus genutzt, er beherbergt heute eine Ausstellung.

Nach diesem Abstecher kehren wir zurück zur Friedrichstraße mit Ziel auf Checkpoint Charlie. Berlin Das ehemalige Grenz­häuschen, das man aus zahllosen Filmen kennt, steht nun recht unscheinbar auf einem Mittel­streifen. Zu Mauerzeiten war dieser Grenz­übergang Alliierten und Ausländern vorbehalten. Heute lassen nur noch die Grenz­schilder erahnen, dass die Stadt an dieser Stelle Jahrzehnte lang geteilt war.

Allmählich tun uns die Füße weh und auch das Hunger­gefühl lässt sich nicht länger verleugnen. So steigen erneut in die U-Bahn und fahren in die Oranienburger Straße. Nur ein paar Schritte von der Neuen Synagoge Berlin entfernt kehren wir in ein mexikanisches Restaurant ein, wo wir mit deftigen Fajitas den Gaumenfreuden frönen …

Tag 3 – Do, 21 Okt. 2004 –
Strecke: Berlin – Hamburg (304 km)

Deutscher Reichstag

Am dritten Tag starten wir unsere Sight­seeing­tour am Potsdamer Platz. Berlin Vor dort aus machen wir einen Spazier­gang durch den Tier­garten und schlendern anschließend die Ebertstraße entlang bis wir den Reichstag erreichen. Liebend gern würden wir die den Reichstag besichtigen und die Glaskuppel hinauf steigen. Doch die endlose Warte­schlage vor dem Eingang, die nur im Schnecken­tempo vorankommt, hat eine derart abschreckende Wirkung, dass wir darauf verzichten.

An der Haltestelle Platz der Republik steigen wir in den 100er Bus mit Ziel Bahnhof Zoologischer Garten. Eigentlich wollen wir am Schloss Bellevue aussteigen, um ein paar Aufnahmen zu machen. Aber das Gebäude ist wegen Bauarbeiten eingerüstet und bietet kein schönes Motiv.

Gut, dann eben weiter zum Großen Stern. Hier legten wir einen Zwischen­stopp ein. Wir wollen die 48 Meter hohe Aussichts­plattform der „Gold-Else“ besteigen. Doch dieses Vorhaben fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Als wir gerade an der Ampel vor der Sieges­säule stehen, bricht ein Platzregen über uns herein, so dass wir zum Bushaltestelle zurück laufen und in den nächsten Bus zum Zoologischen Garten einsteigen.

Stadtrundfahrt für kleines Geld: Die Buslinie 100 des BVG eignet sich hervorragend für eine günstige, wenn auch unkommentierte, Stadtrundfahrt. Die Doppeldecker­busse fahren ab Alexander­platz über Lustgarten – Staatsoper – Unter den Linden – Reichstag – Platz der Republik – Haus der Kulturen der Welt – Schloss Bellevue – Großer Stern – und enden schließlich am Zoologischen Garten.

Schloss Charlottenburg und Spreefahrt

Später fahren wir mit der U-Bahn zum Sophie-Charlotte-Platz. Über die Schlossstraße gehen wir direkt auf das Schloss Charlottenburg Berlin zu. Es entstand 1695 bis 1699 als Sommer­residenz für Sophie Charlotte, die Gemahlin des Kurfürsten Friedrichs III und ist das größte und schönste Schloss Berlins. Eine Schloss­besichtigung wäre sicherlich äußerst interessant, doch unser Ziel ist nicht das Schloss sondern das Bonhoeffer Ufer, Berlin von wo aus die Ausflugs­boote zur Spreefahrt ablegen. So begnügen wir uns mit ein paar Außenaufnahmen vom Schloss Berlin Berlin und gehen zur Anlegestelle.

Die gut zweistündige Spreefahrt führe uns vorbei an Schloss Bellevue, Haus der Kulturen der Welt, Regierungs­viertel, Reichstag, Berlin Museumsinsel, Berliner Dom, Berlin Nikolaiviertel Berlin und der Mühlendamm­schleuse und endet schließlich an der Jannowitz­brücke. Vieles davon hatten wir bereits vom Festland aus gesehen, aber die „Stadt­rundfahrt auf dem Wasser“ hat durchaus ihren Charme und bietet fantastische Fotomotive. Berlin Berlin Berlin

Mit dem Ende der Bootstour geht auch unsere Berlin-Tour ihrem Ende entgegen. Wir haben in den vergangenen drei Tagen viel gesehen und reichlich neue Eindrücke gesammelt. Und wer weiß, wie viele Kilometer Wegstrecke wir unseren Füßen zugemutet haben. Berlin hat mir sehr gut gefallen, so dass dies bestimmt nicht meine letzte Berlin-Reise gewesen sein wird …

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