Seit einiger Zeit ist Hamburg um eine Attraktion reicher, dem russischen U-Boot „U-434“. Das ehemals russische Spionage U-Boot hat im Baakenhafen festgemacht.
Wo: Versmannstraße 23 c, 20457 Hamburg ![]()
Infos: www.u-434.de
Preise: Erwachsene 8 €, Kinder 6 €
(Stand: Jan. 2008)
[19. April 2003] — Vor ein paar Monaten wurde ein russisches U-Boot in den Hamburger Hafen geschleppt.
Bis 2001 war es als Spionage U-Boot im Einsatz. Ein Jahr später wurde es an
einen Privatmann verkauft und zum Museum umgebaut. Nun liegt das U-Bootmuseum, wie es offiziell heißt, im Baakenhafen. Das schaue ich mir an!
Die freundliche Dame an der Kasse empfiehlt mir, auf jeden Fall die einstündige Führung
mitzumachen. Okay abgemacht!
Die Führung startet an Land vor dem aufgetauchten U-Boot.
Wir erfahren, dass das U-Boot „U-434“ (russische Typenbezeichnung: B515 – Buki – Tango-Klasse) aus der U-Bootwerft Krasnoe Sormovo in Gorki stammt. Dort wurde es
1976 in einer Bauzeit von nur acht Monaten gebaut. Also ein ganz schön alter Kasten!
Zu Tarnzwecken wurde die Außenhülle des U-Boots mit einer
Kautschuk-Schicht ummantelt. Somit ist es auf dem Radar quasi
„unsichtbar“, denn es erzeugt auf dem Radarschirm ein ähnliches
Bild wie ein Walfisch. Interessant!
Mit dieser Tarnung soll es in den 80er Jahren längere Zeit
unerkannt im New Yorker Hafen spioniert haben. Angeblich wunderten sich
die Amerikaner lediglich über die große Anzahl der Wale im
Hafenbecken, schöpften aber keinen Verdacht.
Tipp: Wenn ihr das U-Boot besichtigen wollt, solltet ihr die einstündige Führung mitbuchen. So könnt ihr auch die Kommandozentrale im Gefechtsturm anschauen, die man ohne Führung nicht zu sehen bekommt.
Hier ein paar Zahlen zum U-434: Das U-Boot ist 90,16 Meter lang und
8,72 Meter breit. Es hat eine Gesamthöhe (von
Sonarhüllkörper zur höchsten ausgefahrenen Antenne) von
14,72 Metern. Der Tiefgang beträgt 6,60 Meter, die
Zerstörungstiefe 600 Meter. Der Antrieb erfolgt über drei
Dieselmaschinen mit je 5.200 PS, drei E-Maschinen mit je 5.400 PS und
einer Schleichmaschine. Aufgetaucht erreicht das U-Boot eine
Geschwindigkeit von 13 Knoten, getaucht sind es 16 Knoten.
Nachdem wir mit ausreichend Detailinfos versorgt sind, geht es endlich ins Innere
des U-Boots. Die russische Marine fuhr in zwei Wachen, sprich im Zweischichtbetrieb.
An Bord arbeiteten 84 Marinesoldaten, davon 16 Offiziere,
16 Unteroffiziere und bis zu 52 Matrosen.
Das ist schier unvorstellbar. Hier drinnen ist es so eng, dass wir
paar Besucher schon aufpassen müssen, uns nicht ständig gegenseitig
im Wege zu stehen. Der Albtraum eines jeden Klaustrophobikers!
Und auch die Unterkünfte und die sanitären Anlagen sind alles andere als
luxuriös. Die Matrosen lebten auf engstem Raum und unter sehr einfachen Bedingungen. Es gibt
an Bord nur eine Offiziers- und eine Unteroffiziersmesse mit jeweils acht
Sitzplätzen. Der gesamten Crew standen eine Toilette, eine
Duschkabine und eine kombinierte Toilette mit Dusche zur
Verfügung. Um Zeit und Wasser zu sparen, mussten fünf Mann
gleichzeitig in der winzigen Duschkabine
duschen. Gewaschen wurde sich mit Meerwasser, dem durch eine Entsalzungsanlage das Salz
weitestgehend entzogen wurde. Na, das Leben hier unten war nicht gerade ein Zuckerschlecken.
Den Matrosen standen täglich zwei warme Mahlzeiten zu, die von
drei Köchen (ebenfalls im Schichtbetrieb) zubereitet wurden. Kaum
vorstellbar, dass es den Köchen gelang, in der winzigen
Kombüse
immerhin 168 warme Mahlzeiten am Tag zu zaubern.
Die ranghöheren Marinesoldaten bewohnten Einzel- oder
Mehrmannkabinen (bis zu vier Mann). Die einfachen Matrosen mussten sich
mit weniger Komfort zufrieden geben. Sie mussten mit einer Art Hängefeldbett
im Unterdeck vorlieb nehmen. Die Matrosen verbrachten drei lange Monate an
Bord, danach wurde die Crew ausgetauscht. Der Kapitän sowie die
Offiziere und Unteroffiziere dienten eineinhalb lange Jahre auf dem U-Boot.
Das U-Boot unterteilt sich in sieben Abteilungen:
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In den Abteilungen gab es für jedes Besatzungsmitglied ein Notatemgerät, das Atemluft für maximal 20 Minuten bot. Die Notatemgeräte kamen im Brandfall und bei einem Notausstieg zum Einsatz.
Das U-Boot verfügt über zwei Ein-/ Ausstiegsluken, welche zugleich als Notrettungsluken fungieren. Im Notfall kann ein Rettungs-U-Boot in einer Tiefe von bis zu 60 Metern an einer dieser Luken andocken. Bei einer Wassertiefe von etwa 80 Metern kann eine Gummi-Membran im Inneren des Boots an der Luke heruntergelassen werden. Dann wird unter Verwendung der Notatemgeräte das Abteil geflutet. Durch den entstehenden Druckausgleich ist es so möglich, die Ausstiegsluke zu öffnen. Mit Hilfe eines pressluftbetriebenen Rettungsluftsacks gelangt man schließlich an die Wasseroberfläche.
Das U-Boot ist mit einer speziellen Belüftungsanlage ausgestattet, welche die thermischen Verhältnisse an Bord reguliert. Dennoch wurde während einer Tauchfahrt eine schweißtreibende Arbeitstemperatur von über 40 °C erreicht. Im Maschinenraum kletterte das Thermometer sogar auf mehr als 60 °C hoch. (Somit wäre Sauna schon mal hinfällig.)
Bei voller Besatzung kann das U-Boot für maximal dreieinhalb Tage abtauchen. Spätestens dann muss es auf Periskop- bzw. Luftschnorcheltiefe auftauchen, um die Atemluftvorräte aufzufüllen.
Das U-Boot verfügt über sechs Torpedorohre. Zur Verteidigung war es mit 24 Torpedos des Kalibers
533 Millimeter bewaffnet. Jeder Torpedo hatte eine Länge von 8,14 Metern und ein Gewicht von knapp 2 Tonnen.
Die Torpedos wurden über eine Oberdeckrampe durch die Torpedoladeluke
eingebracht. Unter Deck wurden sie mittels einer Rampe mit Kettenlaufwerk und einer hydraulischen Seilwinde in die
seitlich verschiebbaren Lager- und Ladevorrichtungen
verfrachtet. Bei einer Ladezeit von sechs bis acht Minuten konnten zwei Torpedos gleichzeitig gefechtsbereit gemacht werden.
Vor dem Abfeuern wurden die Torpedorohre evakuiert und geflutet, um ein blasenfreies Auslaufen zu gewährleisten.
Der entstandene Gewichtsverlust wurde durch Fluten entsprechender Ballasttanks ausgeglichen, um einer
Kursabweichung des Schiffs entgegenzuwirken. Neben den Torpedos war das U-Boot mit Seeminen und Raketentorpedos
bewaffnet.
Fazit: Ich muss sagen, dass der Besuch des U-Boots eine super spannende
Sache war. Auf jeden Fall sehenswert! ![]()