Eine Sehenswürdigkeit der ganz anderen Art: der Ohlsdorfer Friedhof – größter Zentralfriedhof, ältester Parkfriedhof Europas und zweitgrößtes Gräberfeld der Welt.
Wo: Fuhlsbüttler Straße 756, 22337 Hamburg
Wann: Apr. bis Okt. 8 – 21 Uhr, Nov. bis Mrz. 8 – 18 Uhr
Infos: www.friedhof-hamburg.de/ohlsdorf
[12. Jan. 2004] — Dieser Friedhof ist ein wahrer Koloss. Auf dem gigantischen Areal, das 400 Hektar umfasst, befinden sich 400.000 Grabstellen
(darunter 52.000 Grabstätten von Kriegsopfern), 13 Kapellen und 7 Mausoleen.
Viele bekannte Persönlichkeiten, wie beispielsweise Hans Albers und
Willi Fritsch, wurden hier bestattet. Besonders sehenswert sind die
kunsthistorisch interessanten Grabmäler aus dem 19. und 20. Jh.
Zugleich ist der Friedhof eine Parkanlage im englischen Stil. Seine breiten Alleen und romantischen Wegen, die mit Bäumen, Rhododendrensträuchern und Rasenflächen bewachsen sind, laden zum Spaziergang ein.
Der Bereich um den Haupteingang an der Fuhlsbüttler Straße wurde 1879 von
Gartenbaudirektor Wilhelm Cordes (1840 – 1917) angelegt, die östliche Erweiterung bis hin zur Brahmfelder Chaussee von 1914 bis 1920 von dessen Nachfolger Otto Linne (1869 – 1937).
Zum Gelände gehören zahlreiche Gedächtnis- und
Ehrenfriedhöfe. Gleich am Eingang, in der Nähe des Krematoriums (1930 – 32)
steht das Ehrenmal für die KZ-Opfer, eine Gedenkstätte mit 105 Urnen, die Erde
aus 25 Konzentrationslagern enthalten. Der
Ehrenhain der Widerstandskämpfer birgt die Urnen zahlreicher kommunistischer
NS-Gegner. Im Linne-Teil bei Kapelle 8 ruhen unter vier Rasenhügeln die
37.000 Opfer der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg. Auf der Höhe von Kapelle 7
wurden viele der 312 Opfer der Sturmflutkatastrophe von 1962 beigesetzt. Und
ganz in der Nähe befindet sich der 1923 angelegte Seemannsfriedhof für heimatlose
deutsche Seeleute.
Zu den schönsten Ecken des Friedhofs gehört der Waldgürtel an der Nordseite des
Geländes und entlang der Allee Ostring. Unter hohen Bäumen befinden sich hier Mausoleen
und Familiengräber, in denen Senatoren, reiche Fabrikanten und Reeder der Hansestadt
bestattet wurden. Ein neoklassizistischer griechischer Tempel – ganz im Stil
ihres Hauses in »Klein Flottbek gehalten
– ist die letzte Ruhestätte der
Senatoren Jenisch. Ein schlafender Löwe ruht vor dem Grab der Familie
Hagenbeck, auf die der gleichnamige »Tierpark zurückgeht.
Zum Gelände des Ohlsdorfer Friedhofes, allerdings abgetrennt von ihm an der
Ilandkoppel im Südwestteil liegend, gehört auch der jüdische Friedhof. Er wurde
1883 angelegt, nachdem die alten jüdischen Friedhöfe in der Innenstadt an die
Grenzen ihres Fassungsvermögens geraten waren, und überstand weitgehend die
Schändungen und Kriegszerstörungen. 1937 bis 1941 wurden dank des Einsatzes von
mutigen Hamburgern etliche Grabmale aus den Friedhöfen am Grindel und in
Ottensen, die die NS-Herren schließen ließen, hierher überführt. Darunter
befanden sich zahlreiche barocke und klassizistische Steine, die im Südostteil
des Geländes zu sehen sind. Östlich der Synagoge errichtete man 1951 eine
Gedenkstätte für die Opfer des Naziterrors.
Der Friedhof ist durchzogen von einem knapp 18 km langen Straßennetz und
darf mit dem Pkw befahren werden. Auch einige Buslinien des öffentlichen
Personennahverkehrs verkehren im Friedhofsbereich.