Großes Jubiläum – am 11. Juni 2005 schlängelte sich die Parade zur Feier des 25. Hamburger Christopher Street Day (CSD) durch die Innenstadt. Mit am Start: zwanzig bunt geschmückte Wagen, begleitet von einer Horde schrillen Fußvolks.
[11. Juni 2005] — Die Wagen-Kolonne setzt sich gegen 12:30 Uhr in der Glacischaussee in Bewegung. Trotz des
nasskalten Wetters – es sind nur zwölf Grad und es pieselt gelegentlich – lassen sich die Feiernden
die Party-Laune nicht vermiesen. Die Stimmung ist wirklich gut! Viele sind, so wie ich, nur zum Gucken oder
zum Fotografieren gekommen. Für meinen Geschmack sind „viel zu viele“ nur zum Fotografieren hier.
Es wimmelt regelrecht von professionellen Fotografen, die sich wie die Geier auf die vorbei stolzierenden
„Paradiesvögel“ stürzen.
Nachdem ich eine Weile an der Stadthausbrücke auf lohnenswerte Schnappschüsse gelauert habe,
nähert sich langsam der letzte Wagen. Ich habe keine Lust, dem Tross hinterher zu trotten. Daher setze ich
mich in die S-Bahn und fahre zum Hauptbahnhof. In der Mönckebergstraße legt die Parade traditionell
eine Pause ein. Als ich dort eintreffe, wartet der Zug schon auch mich.
„Get in Touch“ lautet das diesjährige Motto des CSD, der rund
22.000 Menschen in die Innenstadt gelockt hat. Mit der Aktion will die schwul-lesbische Community zu mehr Toleranz
und Offenheit gegenüber Lesben, Schwulen, Transgendern und Bisexuellen auffordern.
Das Motto ist durchaus wörtlich zu nehmen! Denn in der Mö soll die weltgrößte
Massenumarmung zelebriert werden. Damit erhoffen sich die Organisatoren einen Eintrag
ins Guinness-Buch der Rekorde. Über Lautsprecher werden wir zum Mitmachen animiert.
16.000 Menschen (so die offizielle Zahl) liegen sich zehn Sekunden lang in den Armen, dann ist es vollbracht.
Auf zum Endspurt. Der Zug setzt sich in Richtung St. Georg in Bewegung. Die Lange Reihe ist die Endstation der Parade
und der Startpunkt des CSD Straßenfestes, das schon seit Freitag im Gange ist. Hier geht die Party weiter …
Hintergrund des CSD: Der CSD erinnert an das erste bekannt gewordene Aufbegehren von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen Polizeiwillkür in New York im Juni 1969. Nach einer Razzia in der Szenebar „Stonewall Inn“ kam es damals zum Aufstand der Homosexuellen. Es flogen Steine. Die Straßenschlachten dauerten drei Tage. Hauptschauplatz war die Christopher Street im Künstler-Viertel Greenwich Village.