05.02.2012 | 19:48 Uhr
Tag 9 – Mo, 2. April 2007 –
Strecke: Cocoa Beach – Merritt Island – Cocoa – Cocoa Beach (79 mi / 128 km)
Unterkunft: Motel 6, Cocoa Beach, 3701 North Atlantic Ave ($ 62 DZ exkl. Frühstück)
Um 10:30 Uhr erreichen wir das Kennedy Space Center (KSC) auf Merritt Island. An der Kasse des Besucherzentrums (Visitor Center) knöpfen sie uns je $ 40 Eintritt ab. Ein Hochglanz-Faltblatt mit Infos zum Komplex und einen Terminplan der Attraktionen kriegen wir gratis. Eigentlich würden wir gern die NASA Up Close Tour ($ 62,50 pro Person) buchen, bei der man die Highlights des Weltraumbahnhofs aus nächster Nähe zu sehen bekommt. Aber die Tour ist bereits ausverkauft.
Als erstes machen wir die Führung über das KSC-Gelände (im Eintrittspreis inbegriffen) mit, die laut Terminplan zweieinhalb bis drei Stunden dauert. Wir steigen in einen Bus, der uns vom Visitor Center zum Launch Complex 39 Observation Gantry bringt. Dort angekommen dirigiert uns eine KSC-Mitarbeiterin in einen kleinen Vorführraum. Sie zeigt uns einen 6-minütigen Filmvortag über das Space Center. Als der Film zu Ende ist, werden wir durch einen Ausgang in einen Ausstellungsraum „weitergeschoben“.
Wieder am Tageslicht klettern wir auf den Aussichtsturm. Der Weg nach oben führt an dem gigantischen Antriebsmotor eines Space Shuttles
vorbei. Von oben haben wir einen Rundblick über das Kennedy Space Center. Allerdings ist der Ausblick nicht gerade spektakulär. Man sieht das weiträumige Gelände und die Außenwände der 160 Meter hohe Montagehalle (Vehicle Assembly Building),
in der die Space Shuttles zusammen gebaut werden. In weiter Ferne kann man die Startrampen LC-39A und LC-39B
erspähen. Sie sind jedoch so weit entfernt, dass es die volle Zoom-Leistung meiner Digitalkamera erfordert, um sie in passabler Größe auf den Chip zu bannen. Mit bloßem Auge sieht man nur zwei daumenhohe Gerüsttürmchen in der Landschaft.
Das war’s schon? Mehr hat dieser Tour-Stopp nicht zu bieten? Bleibt zu sagen, dass mich die erste Station der Rundtour nicht gerade vom Hocker gehauen hat.
Um vom LC-39 Observation Gantry weg zu kommen, müssen wir erneut einen der Busse nehmen, die im 15-Minuten-Takt verkehren. An der Haltestelle erwartet uns eine ellenlange Warteschlange. Der Andrang ist so groß, dass wir etliche Busse durchfahren lassen müssen, bevor wir selbst in einen einsteigen können. Zum Glück ist der Wartestand überdacht, so dass wir der prallen Mittagssonne entrinnen. Aber das macht die Warterei kaum erträglicher.
Wieder im Bus. Während wir zum zweiten Tour-Stopp kutschiert werden, läuft auf den Monitoren über unseren Köpfen ein Propagandafilm über das KSC. Ab und an unterbricht die Fahrerin den Filmbeitrag, um die Fahrgäste in schnell gesprochenem Englisch – das selbst mit passablen Englischkenntnissen schwer zu verstehen ist – mit weiteren heroischen Informationen über das KSC zu füttern. Eine gefühlte halbe Ewigkeit kurvt sie uns über das 567 km² große Gelände.
Endlich erreicht der Bus das Apollo Saturn V Center. Diese Station der Führung widmet sich dem Apollo-Programm und dem sowjetisch-amerikanischen Wettlauf zum Mond. Nach dem Ausstieg drängelt sich alles in einen kleinen Vorführraum, in dem wir einen weiteren Film zu sehen bekommen. Hinter dem Ausgang gelangen wir in eine kleine Halle. Sie ist der Mission Control in Houston nachempfunden – so wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Kaum haben wir die Halle betreten, beginnt der Count-down eines simulierten Raketenstarts. Auf den Bildschirmen an der Wand können wir den Start mitverfolgen. Das Ganze ist touristengerecht mit einigen Spezialeffekten angereichert: als die Triebwerke der Rakete gezündet werden, verdunkelt sich der Himmel hinter den gefakten Fenstern der Halle. Dann fangen die Fensterscheiben an zu wackeln.
Die Hauptattraktion des Apollo Saturn V Centers ist die 363 Fuß (111 Meter) lange, original Saturn V Rakete.
Der Koloss wiegt über 3.000 Tonnen. In den Jahren 1968 bis 1972 flog sie neunmal zum Mond. Dabei erreichte sie eine Spitzengeschwindigkeit von 40.000 km/h. Die Ausstellung zeigt außerdem die Mondlandefähre von Apollo 11
– ein in Goldfolie gewickeltes, dreibeiniges Flugobjekt, das aussieht, als wäre es das Ergebnis der Bastelstunde einer Vorschulklasse. Dass die Astronauten mit der Nuckelpinne auf dem Mond gelandet sind, ist mehr als kurios. Am Ende der Halle befindet sich ein drittes Filmtheater, in dem ein multimedialer Filmbeitrag über die erste Mondlandung gespielt wird.
Natürlich darf der großzügige Fresstempel nicht fehlen, vor dem die Touris bereitwillig Schlange stehen. Hinter dem Souvenir Shop (direkt daneben) geht’s raus zur nächsten Bushaltestelle. Diesmal ist die Warteschlange vor der Abfahrt zu unserer Freude nur kurz.
Der Fahrer bringt uns zum International Space Station Center. Zunächst kommen wir in den Beobachtungsraum. Von einem erhöhten Aussichtsstand aus kann man durch eine Scheibe in die NASA-Konstruktionshalle blicken, in der die Module der Internationalen Raumstation ISS montiert werden. In einem weiteren Raum ist der Nachbau eines Habitation Modules ausgestellt, in dem die Space Station Crew arbeitet und lebt.
Die vierte Busfahrt bringt uns zurück zum Visitor Complex, wo die Führung endet.
Mein Fazit zur Rundtour: Wir haben gut dreieinhalb Stunden für die Rundtour gebraucht. Ich fühle mich erschlagen von der Masse der Informationen und den englischen Filmvorträgen, die während der Stopps gezeigt wurden. Vielleicht wäre ein deutschsprachiger Audio-Guide, den man im Visitor Center gegen Gebühr ausleihen kann, eine Erleichterung gewesen. Dummerweise habe ich von der Leihmöglichkeit erst gelesen, als wir bereits im Bus saßen. Zu spät also! Was die Tour-Stopps angeht, fand ich das Ganze ein wenig enttäuschend. Nur das Apollo Saturn V Center war wirklich interessant. Das International Space Station Center und das Observation Gantry hätten sie sich sparen können, zumal wir das Vehicle Assembly Building, die Abschussrampen und die Landebahn nur aus großer Distanz sehen konnten und ein Blick „hinter die Kulissen“ nicht möglich war.
Nach einer Pause in einer Snack Bar besichtigen wir den Shuttle Explorer – den Nachbau eines Orbiters.
Dann reihen wir uns in die Warteschlage vor dem IMAX-Kino 1 ein, in dem um 15:30 Uhr der 3D-Film „Magnificent Desolation: Walking on the Moon“ (Spielzeit 40 Minuten) beginnt.
Zu guter Letzt machen wir einen Abstecher in den Raketengarten (Rocket Garden),
in dem verschiedene Raketentypen ausgestellt sind. Dann gelangen wir durch einen XXL-Souvenir Shop zum Ausgang. Nach sechs Stunden Space Center – von denen wir bestimmt eine Stunde (oder sogar mehr?) mit Warten und Anstehen verbracht haben – trotten wir völlig platt zurück zum Auto.
Nach diesem Ausflug in die Welt der Raumfahrt suchen wir ein Motel in Cocoa. Zwei Stunden lang kurven wir durch die Gegend, um eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Im Budget Inn Motel ist noch ein Zimmer frei. Wir lassen es uns zeigen. Doch die Bude ist derart heruntergekommen (die Tapete löst sich stellenweise von der Wand und der abgewetzte Bodenbelag verdient die Bezeichnung Teppich in keiner Weise), so dass wir dankend ablehnen und weiterziehen. Aus Mangel an Alternativen fahren wir schließlich noch einmal nach Cocoa Beach, wo wir im Motel 6 eine weitere Nacht unterkommen. Glück gehabt!
Mittlerweile ist es kurz nach sieben und wir sind ziemlich ausgehungert. Jens findet in den Gelben Seiten (Yellow Pages) das Olive Garden
– ein italienisches Restaurant – das wir ausprobieren möchten. Im Restaurant ist es ziemlich voll. Doch wir müssen nur kurz warten, bis wir einen freien Tisch bekommen. Das Essen ist ausgezeichnet. Gute Idee hier herzugehen!
Tag 10 – Di, 3. April 2007 –
Strecke: Cocoa Beach – Titusville – Orlando (130 mi / 209 km)
Unterkunft: Motel 6 Winter Park, Orlando, 5300 Adanson Road ($ 55 DZ exkl. Frühstück)
Gegen Mittag fahren wir nach Titusville. Am Vectorspace Boulevard besuchen wir die US Astronaut Hall of Fame,
die zum Kennedy Space Center gehört. Da die KSC-Tickets, die wir gestern gekauft haben, zwei Tage lang gültig sind, sparen wir den regulären Eintrittspreis ($ 18). Das Museum wurde 1990 auf Initiative ehemaliger Mercury-Astronauten eröffnet. Die Ausstellung umfasst Instrumente und Gerätschaften der Raumfahrer und jede Menge Fotos. Außerdem gibt es interaktive Bereiche und mehrere Simulatoren (wie die Multimedia-Flugsimulation an Bord eines nachgebauten Space Shuttles). Die eigentliche Hall of Fame ist eine Ruhmeshalle im wörtlichen Sinne, in der Astronauten wie John H. Glenn, Alan B. Shepard und Neil Armstrong wie Helden gefeiert werden.
Es ist nur wenig los, so dass wir nach eineinhalb Stunden alles gesehen haben und zum Auto zurückkehren.