29.07.2010 | 17:29 Uhr
Tag 7 – Sa, 31. März 2007 –
Strecke: Plantation Key – Miami – Fort Lauderdale – West Palm Beach (176 mi / 284 km)
Unterkunft: Dutchman Motor Logde, West Palm Beach, 7211 S Dixie Hwy ($ 56 DZ exkl. Frühstück)
Letzte Nacht sind wir im Keys Motel
am MM 90.6 untergekommen. Zimmerpreis diesmal $ 99. Leider haben wir erst auf den
zweiten Blick gemerkt, dass die Sauberkeit des Zimmers einiges zu wünschen übrig ließ. Im
Kühlschrank gammelte das Obst eines Gastes, der längst weitergezogen war. In einer Nische
lagen alte Zeitungen und eine leere Plastikflasche herum. Und der gräuliche Flaum in den
Zimmerecken ließ vermuten, dass der Staubsauger seit längerem nur sporadisch zum Einsatz
kam. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Laken frisch waren …
Nun stehen wir zum Auschecken im Motel Office und singen dem Empfangschef unser Klagelied. Er schaut betreten drein. Kurz entschlossen greift er zum Telefonhörer und tippt hastig ein paar Ziffern in den Nummernblock des Telefons ein. Einen Moment später erscheint der Manager on Duty neben ihm. Dieser meint, dass es schon seit längerem Ärger mit dem Reinigungspersonal gibt und scheint regelrecht erfreut, dass sich „endlich mal einer beschwert“. Schließlich erstattet er uns den vollen Übernachtungspreis. Damit hätten wir nicht gerechnet!
Auf Empfehlung des Empfangschefs frühstücken wir im Tropical Café
(das offensichtlich zum Motel gehört) – was sich jedoch ebenfalls als Flop herausstellt.
Das Essen ist einwandfrei, aber die Bedienung katastrophal. Die bestellte Milch wird erst gar
nicht serviert. Und auch auf das Rührei warte ich eine halbe Stunde lang vergeblich. Mein
Handzeichen ignoriert die Kellnerin beharrlich. Es scheint, als würde sie absichtlich einen
Bogen um unseren Tisch machen. Als uns die Warterei zu bunt wird, gehen wir an die Kasse, um
zu bezahlen. In böser Vorahnung überprüfen wir die Positionen auf dem Kassenbon, bevor wir
die Dollars zücken. Und tatsächlich! Die Kellnerin ist so unverfroren, die Sachen, die sie
nicht serviert hat, auf die Rechnung zu setzen. Dreister geht’s nicht! Als Jens sie
auf dieses „Missgeschick“ hinweist, wird sie pampig und beschimpft uns lauthals.
Klar, dass sie sich nach dieser Nummer ihr Trinkgeld abschminken kann … Na, der Tag
fängt ja gut an!
Auf dem Highway #1 fahren wir gen Norden. Unser Ziel ist Coconut Grove, ein nobles Stadtviertel von Miami. Wir schlendern durch die Straßen und das exquisite Einkaufscenter Cocowalk, bis wir schließlich in einem Café landen, wo wir uns ein fettes Stück Kuchen gönnen.
Über den Rickenbacker Causeway passieren wir die gebührenpflichtige William Powell Bridge
($ 1,25 pro Pkw) nach Virginia Key. Am Jachthafen
machen wir eine Pause, um ein
paar Fotos zu schießen. Vom Ufer der Biscayne Bay hat man einen grandiosen Ausblick auf die
Skyline von Miami am Brickell Bay Drive.
Und so verstreicht eine halbe Stunde, bis wir alle Bilder
im Kasten haben.
Unser nächstes Ziel ist der Hafen von Miami. Dummerweise geraten wir an einer Baustelle in einen Stau. Es vergeht eine geschlagene Stunde, bis wir an der nur wenige Meilen entfernten Pier 5 ankommen. Wir parken am Bayside Marketplace
und laufen runter zum Hafen.
Kurz nach 18 Uhr erreichen wir Fort Lauderdale, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollen. Leider hat das Tourist Info Center schon geschlossen, so dass wir auf eigene Faust eine Unterkunft suchen müssen. Im Bed & Breakfast, das in unserem Reiseführer angepriesen wird, ist niemand mehr. Daher versuchen wir unser Glück auf der gegenüberliegenden Straßenseite, auf der sich ein weiteres B & B befindet. Die Rezeption ist ebenfalls unbesetzt. Aber es gibt eine Sprechanlage. Kaum hat Jens den schwarzen Klingelknopf gedrückt, ertönt die Stimme des Nachtportiers aus dem eingebauten Lautsprecher. Er verlangt $ 182 für ein Doppelzimmer – exklusive Steuern. Nicht ganz unser Limit! Das heißt weitersuchen. Allerdings erweist es sich als ausgesprochen schwierig, eine bezahlbare Bleibe zu finden. Schließlich sitzen wir wieder im Auto und fahren weiter Richtung Norden.
Es ist bereits neun, als wir in West Palm Beach eintreffen. Hungrig, müde und von der erfolglosen Zimmersuche vollkommen genervt, steuern wir das nächstbeste Motel auf dem South Dixie Highway an. Das Zimmer, das uns die Empfangsdame in Begleitung eines Mannes zeigt, ist sehr geräumig. Es stehen zwei Queen Betten darin. Der Übernachtungspreis ist ausgesprochen günstig, gerade mal $ 56. Ohne groß zu überlegen, checken wir ein. Wären wir etwas fitter, hätte es uns vielleicht stutzig gemacht, dass das Zimmer im Dutchman Motor Logde so preiswert ist. Oder dass wir die Übernachtung im Voraus bezahlen müssen. Oder dass wir von der Straße aus über einen Schalter mit der Empfangsdame gesprochen haben – und nicht ins Motelbüro durften. Oder dass sie sich nur in männlicher Begleitung aus ihrem Büro getraut hat. Oder, oder, oder … Irgendwann hätte der Groschen fallen müssen. Tat er aber nicht.
Erst als wir wieder ins Auto steigen, um ein nettes Lokal fürs Abendessen zu suchen, merken wir, dass wir in einer recht finsteren Gegend abgestiegen sind. Die Straßen sind menschenleer. Es ist weit und breit kein vernünftiges Restaurant zu finden, dafür umso mehr Fresstempel der üblichen Fast Food Ketten. In dem Mc Donald’s, in das wir schließlich einkehren, sind nur zwei Gäste. Hinter dem Bedientresen tummelt sich ein Völkchen, dem ich abends lieber nicht allein über den Weg laufen möchte. Meine Herren, wo sind wir bloß gelandet!?
Ich bin heilfroh, als wir wieder im Zimmer sind. Während ich die Tür hinter mir abschließe, fällt mir das Schild daneben auf: „No Girlfriends“ steht darauf – na klasse.
Später bekomme ich kaum ein Auge zu. Der Highway #1, der direkt vor dem Motel verläuft, ist stark befahren. Und hinter dem Motel befindet sich eine Bahntrasse, auf der die Nacht hindurch Güterverkehr rollt. Und zu allem Überfluss tritt auch vor unserer Zimmertür keine Ruhe ein. Selbst zu später Stunde herrscht ein Kommen und Gehen, Autos fahren vor, Türen werden zugeschlagen – wie im Taubenschlag.