05.02.2012 | 19:28 Uhr
Tag 1 – So, 25. März 2007 –
Strecke: Stuttgart – Frankfurt am Main – Fort Myers
Unterkunft: Howard Johnson
, Fort Myers, 13000 N Cleveland Ave ($ 90 DZ inkl. Frühstück)
Wieso muss eine Urlaubsreise immer so nervtötend beginnen?
Die stundenlangen Pass-, Handgepäck- und Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen – bei denen wir DREIMAL durchgecheckt werden – wollen kein Ende nehmen. Die kontrollieren sich regelrecht ’nen Wolf. Selbst meine Turnschuhe werden durchleuchtet. Ich warte auf den Tag, an dem der erste Fluggast in Unterwäsche zum Flieger flitzt!
15:35 Uhr – Endlich sitzen wir im Flugzeug. Fort Myers wir kommen! Ich hab’ Hummeln im Bauch, denn dies ist meine erste Reise über den großen Teich. Während ich aus dem ovalen Fenster in der Kabinenwand starre, kommen mir jene Schreckensberichte in den Sinn, die ich irgendwann mal im Fernsehen gesehen habe. Da ging es um USA-Touristen, die kurz nach der Ankunft am Flughafen überfallen wurden. Bewaffnete Gangster lauerten ihnen auf und raubten sie aus, sobald sie in ihren Mietwägen vom Parkplatz der Autovermietung fuhren …
Schauen wir mal, was uns in den kommenden zwei Wochen in Florida erwartet. Von Deutschland aus haben wir lediglich einen Pkw für unsere Entdeckungstour und ein Motel für die erste Nacht gebucht. Alles Weitere – vor allem unseren Tourverlauf – haben wir bewusst offen gelassen. So sind wir flexibel und können spontan entscheiden, was wir anschauen und wo wir bleiben wollen.
Bei jedem Blick aus dem Fenster habe ich das Gefühl, dass die Maschine der Condor dem Abend entflieht und dem Morgen entgegen fliegt. Es wird gar nicht dunkel draußen. Kein Wunder, denn Florida liegt zeitlich sechs Stunden zurück.
Kurz vor 21 Uhr landen wir in Fort Myers. Mir tut der Hintern vom langen Sitzen weh. Die Kontrolle bei der Einreise dauert eine halbe Ewigkeit. Glücklich sind diejenigen, die mit amerikanischem Pass reisen. Für sie gibt es einen separaten Schalter, an dem nur drei Hanseln anstehen. Die schier endlose Warteschlange vor den Touristen-Schaltern kriecht dagegen nur im Schneckentempo durch das Labyrinth aus schwarzen Absperrgurten. Endlich bin ich an der Reihe. Die rundliche Beamtin vom Immigration Service leiert ihren einstudierten Fragenkatalog runter. Dann scannt sie die Fingerabdrücke meiner Zeigefinger und erstellt ein digitales Profilfoto von meinem Gesicht. Schließlich drückt sie den begehrten Einreisestempel in meinen Reisepass und lässt mich passieren.
Zweite Hürde: Gepäckausgabe. Das Band dreht surrend seine Endlosschleife. Doch es befindet sich kein einziges Gepäckstück darauf. Wahrscheinlich wird jeder Koffer und jede Tasche akribisch durchleuchtet, bevor er/sie aufs Gepäckband darf.
Als wir die Ankunftshalle endlich verlassen können, ist es bereits 22 Uhr. Nach dem zehnstündigen Flug und der ewigen Warterei bei der Einreise tut der erste Atemzug im Freien wirklich gut. Genussvoll atme ich die warme Abendluft bis ins Zwerchfell ein. Die Gummiräder meines Trolleys rollen ratternd über den Asphalt, als wir in Richtung Alamo Autovermietung laufen. In der großen Halle, in der sich alle namhaften Autovermieter tummeln, erleben wir den nächsten Schock. Eine Menschenmasse steht vor den Schaltern von Alamo an. Scheinbar hat wirklich JEDER Passagier, der mit uns im Flieger saß, einen Mietwagen bei Alamo reserviert. An den Schaltern von Sixt, Budget und wie sie alle heißen ist kaum ein Kunde. Wir stehen uns die Beine in den Bauch, während die Anzahl der Wartenden vor uns nur gaaanz laaangsam abnimmt. Die Müdigkeit übermannt mich. Ich könnte auf der Stelle einschlafen. Die Frau vor mir hat’s richtig gemacht und sich einen Kaffee von Starbucks geholt – und zwar gleich einen halben Liter! So ein Riesenbecher wäre mir jetzt allerdings zu viel des Guten.
Eine Stunde später sind wir an der Reihe. Mit dem begehrten Mietvertrag in Händen geht’s raus zum Car Park. Er umfasst vier komplette Parkreihen auf dem Parkdeck des Parkhauses. Die Autos sind nach Wagenklasse sortiert. Die Schlüssel stecken im Zündschloss. In der gebuchten Wagenklasse hat man freie Auswahl. Unsere Kategorie ist schon ganz schön abgegrast, aber immerhin können wir uns einen von acht Wagen aussuchen. Wie in den USA üblich, haben sie allesamt Automatikschaltung. Wir entscheiden uns für einen silbernen Toyota Corolla mit Stufenheck, laden unser Gepäck in den Kofferraum und fahren an die Schranke. Einer der Wächter scannt den Strich-Code am hinteren Wagenfenster und auf dem Mietvertrag. Dann drückt er einen Knopf, woraufhin die Reifentöter vor der Ausfahrt im Boden verschwinden und die Schranke hochschnellt. Auf zum Motel und ab ins Bett!
In der Lobby des Howard Johnson,
das wir übers Internet gebucht haben, riecht es muffig. Das Zimmer ist zweckmäßig eingerichtet: King Bed, riesiger Fernseher, Kühlschrank, Waschtisch im Zimmer – Badewanne und WC in einem separaten Raum. Was ist das denn? Die halbe Kloschüssel steht ja unter Wasser. Na klasse, da vermieten die uns doch glatt ’ne Bude mit verstopftem Klo. Doch Jens, der schon etliche USA-Reisen auf dem Buckel hat, gibt Entwarnung. Der hohe Wasserstand in der Kloschüssel ist normal und kein Grund zur Beunruhigung. Aaaah ja. Andere Länder, andere Schüsseln. ![]()
Zimmerausstattung: Amerikanische Motel-/Hotelzimmer sind häufig mit Queen oder King Beds ausgestattet. Unter einem Queen Bed versteht man ein französisches Bett, das ca. 1,50 × 2 m groß ist. Ein King Bed ist etwas geräumiger und etwa 2 × 2 m groß. Beide Varianten haben eine durchgehende Bettdecke, die aus einem Laken und einer Wolldecke besteht.
Stromspannung: Die USA haben ein Wechselstromnetz mit einer Stromspannung von 110 Volt und einer Frequenz von 60 Hertz. Elektrische Geräte, die man von zu Hause mitbringt, sollten daher einen Schalter besitzen, mit dem man auf diese Spannung umstellen kann. Außerdem benötigt man einen Adapter für die Steckdosen.
Meine Kehle ist staubtrocken. Bevor ich mich ins lang ersehnte Bett fallen lassen, möchte ich etwas trinken. Auf dem Weg von der Rezeption zum Zimmer hatte ich irgendwo einen Getränkeautomaten gesehen. Ein Sprudel wäre jetzt genau das Richtige. Wie gut, dass Jens noch eine handvoll Münzgeld von einem früheren USA-Aufenthalt übrig hat. Damit machen wir uns auf die Suche nach dem guten Stück. Aber zu früh gefreut. Der blöde Kasten schluckt zwar unser letztes Geld, spuckt aber keine Getränke aus. Den kleinen handgeschriebenen Zettel mit der Aufschrift „out of order“, der unscheinbar auf dem Gerät klebt, haben wir völlig übersehen. Also versuchen wir unser Glück bei KFC, das direkt neben dem Motel liegt. Die „Hähnchenbude“ hat allerdings zu. Auch im benachbarten Taco Bell ist schon Schicht im Schacht. Daher decken wir uns an einer Tankstelle mit Mineralwasser und ein paar Knabbereien ein. Etwas verlegen frage ich die Kassiererin, ob wir die $ 7, die die Kasse anzeigt, mit Kreditkarte zahlen dürfen. „Of course, why not?“, strahlt sie mich an. Ich glaub’ in Deutschland hätten sie mich für diese Frage auf der Stelle gelyncht.
Kreditkarten: Kreditkarten sind in den USA eins der wichtigsten Zahlungsmittel. Man kann fast überall damit bezahlen, selbst in Supermärkten, Cafés und in vielen Museen. Es ist so gut wie unmöglich, ohne Kreditkarte zu reisen. Will man beispielsweise ein Zimmer in einem Hotel oder Motel buchen, muss man beim Check-in eine Kreditkartennummer als Sicherheit hinterlegen. Ohne geht’s nicht. EC-Karten werden dagegen nicht als Zahlungsmittel akzeptiert. Am Geldautomaten (ATM) kann man damit jedoch Dollars ziehen.