08.10.2008 | 07:18 Uhr
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Jeden Morgen kam die fleißige Ameise fröhlich zur Arbeit.
Sie liebte ihre Arbeit. Hier verbrachte sie die meiste Zeit des Tages
schwer arbeitend, immer ein Liedchen summend. Sie arbeitete
fleißig vor sich hin.
Der Generaldirektor, ein dicker fetter Käfer, stellte fest, dass
es niemanden gab, der die Ameise beaufsichtigte. So konnte es nicht
weitergehen! Er schuf einen Supervisor Posten und stellte einen
Mistkäfer mit viel Erfahrung ein.
Die erste Sorge des Mistkäfers war, die Arbeitszeit zu
standardisieren. Er erstellte hierzu verschiedene Reports. Bald darauf
benötigte der Mistkäfer eine Sekretärin, die diese
Reports vorbereitete. Man stellte eine Spinne ein, die ein Archiv
einrichtete und Telefonanrufe entgegennahm.
Und in der ganzen Zeit, arbeitete die Ameise froh und munter weiter,
denn ihre Arbeit gefiel ihr und von Zeit zu Zeit summte sie ein
Liedchen.
Der Generaldirektor war begeistert von der Arbeit des Mistkäfers,
und fragte ihn nach grafischen Darstellungen und Zukunftsanalysen. So
wurde es nötig, eine Fliege einzustellen als Helfer für den
Supervisor. Sie kauften der Fliege ein Laptop, mit dem sie die Reports
schön bunt gestalten konnte.
Die fleißige Ameise summte schon bald kein Liedchen mehr, beschwerte
sich, dass sie so viel Schreibkram auszufüllen hatte, anstatt zu
arbeiten.
Daraufhin beschloss der Generaldirektor, dass ein Administrator
für die Abteilung, in der die Ameise arbeitete, her musste. Diese
verantwortungsvolle Aufgabe wurde der Heuschrecke übertragen, die als erstes
verlangte, dass man ihr einen speziellen Sessel kaufen solle.
Natürlich brauchte sie auch ein Auto, einen Laptop und einen
Zugang zum Intranet. Und selbstverständlich brauchte sie auch
einen persönlichen Assistenten, die Kröte, die schon an ihrem
alten Arbeitsplatz als Sekretärin für die Heuschrecke
gearbeitet hatte.
Die Ameise sang nicht mehr. Sie wurde immer unruhiger und nervöser.
„Wir müssen ein Gremium beauftragen, Daten für eine Studie
über die arbeitende Gesellschaftsschicht zusammenzutragen und
einen Bericht zu verfassen.“ Gesagt, getan. Die ausgesuchten
Spezialisten machten sich gegen ein beträchtliches Entgelt
sogleich monatelang an die Arbeit.
In der Zwischenzeit, stellte der Generaldirektor fest, dass die
Abteilung, in der die fleißige Ameise munter vor sich hin arbeitete,
nicht mehr den gleichen Profit wie früher erwirtschaftete. Er
wandte sich an die Eule, eine Expertin in Sachen Betriebswirtschaft,
die Tausende von Euro bekam. Sie sollte analysieren und
diagnostizieren, was zu tun sei. Die Eule wirbelte drei Monate in allen
Büros der Firma herum. Dann legte sie einen Abschlussbericht vor,
der besagte: „Sie haben zu viel Personal, es sollten Stellen abgebaut
werden.“
Dem Expertenbericht der Eule folgend, entließ der Generaldirektor
die Ameise, die immer so fleißig arbeitete und ihre Arbeit liebte.
Die Moral:
Es sollte dir nicht im Traum einfallen, eine fleißig arbeitende,
fröhliche Ameise zu sein. Es ist viel besser eine Heuschrecke oder
ein Mistkäfer zu sein, wenn auch unnütz und unfähig.
Diese brauchen keinen Supervisor, es stresst sie niemand.
Wenn du nicht anders kannst, als fleißig und arbeitsam zu sein,
dann zeige niemandem, dass du fröhlich bist und dass dir
deine Arbeit Freude macht! Erfinde von Zeit zu Zeit ein Unglück,
jammere und beschwere dich, damit es niemandem in den Sinn kommt,
dich zu beneiden, nur weil du Spaß an deiner Arbeit hast.
Wenn du das auch nicht kannst, dann mach dich selbständig. So
können sich wenigstens all die Mistkäfer, Spinnen, Heuschrecken,
Fliegen, Kröten und Eulen nicht auf deinem Rücken
ausruhen.