05.02.2012 | 19:14 Uhr
Anfang Juni 2004 war ich wieder einmal beruflich unterwegs. Diesmal führte mich meine Reise nach Stuttgart, wo ich ein mehrtägiges Seminar besuchte. An zwei Abenden hatte ich Zeit und Muße, die – mir bis dahin unbekannte – Stadt ein wenig zu erkunden. Und so machte ich mich „auf zu neuen Abenteuern“ …
Stuttgart ist die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Sie nimmt eine Fläche von 207 km² ein und ist mit rund 600.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes (sechstgrößte Stadt Deutschlands). In der Region Stuttgart (3.654 km²), die neben Stuttgart die fünf Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und den Rems-Murr-Kreis umfasst, leben rund 2,7 Mio. Menschen. Damit ist die Region – nach »Berlin und dem Ruhrgebiet – die drittgrößte Stadtregion der Bundesrepublik.
Stuttgart liegt in einem Talkessel (dem sog. Stuttgarter Kessel), der von Wäldern, Obstgärten und Weinbergen umrahmt wird. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Höhendifferenz von fast 350 m. Die Stadtteile reichen im Norden bis in das Neckarbecken, im Westen bis in den Glemswald und auf das Gäu, im Osten bis zu den Ausläufern des Schurwalds und im Süden bis zur Filderebene und den Ausläufern des Schönbuchs. Im Südosten fließt der Neckar in das Stadtgebiet und verlässt es im Nordosten wieder.
[Mi, 9. Juni 2004] — Was für ein Wetter! Der Wettergott ist heute gnädig gestimmt. Er
beschert uns hochsommerliche Temperaturen so um die 30 °C, von denen man zu Hause im fernen
Hamburg sicherlich nur träumen kann. Da macht die Stadtbesichtigung gleich doppelt so viel
Spaß!
Meine erstes Ausflugsziel ist der
Fernsehturm. Am Hauptbahnhof setze ich mich in die Tram, die mich gemütlich nach
Degerloch zuckelt. Durch einen kleinen Park erreiche ich den Turm. Er lugt mit seinen 217 Metern
wie ein kleiner Riese zwischen den Bäumen hervor. Der Stuttgarter Fernsehturm wurde 1956 eröffnet.
Das besondere an ihm: er war der erste Fernsehturm der Welt.
Der Aufzug befördert mich mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunden zur
Aussichtsplattform – so schnell, dass ich schlucken muss, um den Druck auf den Ohren
auszugleichen. Oben angekommen bietet sich mir bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem
Himmel ein schier endlosen Blick auf die Stadt, die mir im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen
liegt.
Einziger Wermutstropfen: die Sonne scheint so stark, dass es so gut wie unmöglich ist, ein
vernünftiges Foto zu schießen – fast jedes Bild ist letztendlich überbelichtet.
Wieder zurück in der Stadtmitte spaziere ich ein wenig umher, bis mich mein Weg zur Stiftskirche
führt. Die Kirche wurde im 11. Jh. als einschiffige Dorfkirche errichtet. In den darauf
folgenden Jahrhunderten wurde sie um romanische, gotische und spätgotische Stilelemente
erweitert, bis sie 1944 komplett zerstört wurde. Ihr Wiederaufbau erfolgte 1958.
Mein Rundgang endet an der neugotischen Johanneskirche.
Sie wurde von 1865 bis 1876 erbaut und liegt sehr malerisch auf einer Halbinsel im Löschteich Feuersee. Bei der allmählich einsetzenden Dämmerung wirkt sie beinah märchenhaft, ein traumhaft schöner Anblick. Während ich noch das Panorama auf mich wirken lasse, wird es zunehmend dunkler und so geht dieser erste Foto-Spaziergang seinem Ende entgegen.
[Do, 10. Juni 2004] — Am nächsten Abend mache ich mich wieder auf den Weg. Vom
Hauptbahnhof gehe ich die Königstraße hinunter in Richtung Schlossplatz. Dort
angelangt, muss ich ein wenig enttäuscht feststellen, dass mir der freie Blick auf die
Frontseite des Neuen Schloss’ verwehrt bleiben soll. Die Sicht wird durch unzählige Buden
und Verkaufswagen versperrt, die für ein bevorstehendes Stadtfest aufgebaut worden
sind. Bitterste Pille: der lokale Radiosender hat seine Bühne direkt vor dem Schloss aufgebaut,
so dass mein „Fotografen-Herz“ regelrecht blutet. ![]()
Und auch um die Jubiläumssäule
herum hat man Bierbuden aufgebaut, die so ganz und gar nicht ins Bild passen. „Da bist du EINMAL in Stuttgart, und ausgerechnet dann ist so ein blödes Fest“, geht es mir durch den Kopf als ich in Richtung Schillerplatz von dannen ziehe.
Der Schillerplatz,
der das Zentrum des alten Stadtkerns bildet, wird malerisch von der Alten Kanzlei,
dem Prinzenbau, dem Fruchtkasten, der Stiftskirche und dem Alten Schloss eingerahmt. Das Schiller-Denkmal in der Mitte des Platzes ist aus dem Jahr 1839.
Das Alte Schloss
ist neben der Stiftskirche das älteste erhalten gebliebene Bauwerk der Stadt. Im 13. Jh.
als Wasserburg errichtet, wurde es im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgestaltet. Im
16. Jh. entstand aus der Burganlage ein Renaissance-Schloss. Im Rahmen dieses Umbaus wurde auch der
prachtvolle Innenhof mit den Arkaden gestaltet.
Im Innenhof hat das Reiterstandbild des Herzogs Eberhard im Bart von Württemberg, der ab
1484 im Alten Schloss residierte, seinen Platz. Es wurde in unmittelbarer Nähe der
Schlosskapelle, die 1560 entstand, aufgestellt.
Na, wenigstens kann ich mich hier fototechnisch ein wenig austoben. Der letzte Programmpunkt
meiner Stadtbesichtigung ist der Obere Schlossgarten, in dem ich ein wenig umher
spaziere. Doch viel Zeit zum Verweilen bleibt mir leider nicht mehr. Gerade so viel, um einige
Aufnahmen vom Staatstheater
und der Rückseite des Neuen Schloss’
zu machen. Dann mache ich mich auf den Weg zum Flughafen …
Fazit: Die Zeit war viel zu kurz, um Stuttgart ausgiebig zu erkunden und ich wäre gern noch länger geblieben. Aber wie sagt Paulchen immer so schön: „Heute ist nicht alle Tage …“