Anfang Juni 2004 war ich wieder einmal beruflich unterwegs. Diesmal führte mich meine Reise nach Stuttgart, wo ich ein mehrtägiges Seminar besuchte. An zwei Abenden hatte ich Zeit und Muße, die – mir bis dahin unbekannte – Stadt ein wenig zu erkunden. Und so machte ich mich „auf zu neuen Abenteuern“ …
[9. Juni 2004] — Was für ein Wetter! Der Wettergott ist heute gnädig gestimmt. Er beschert uns
hochsommerliche Temperaturen so um die 30 Grad, von denen man im fernen Hamburg sicherlich nur träumen
kann. Da macht die Stadtbesichtigung gleich doppelt so viel Spaß!
Meine erstes Ausflugsziel ist der
Fernsehturm.
Am Hauptbahnhof setze ich mich in die Tram, die mich gemütlich nach Degerloch
zuckelt. Durch einen kleinen Park erreiche ich den Turm. Er lugt mit seinen 217 Metern wie ein
kleiner Riese zwischen den Bäumen hervor. Der Stuttgarter Fernsehturm wurde 1956 eröffnet.
Das besondere an ihm: er war der erste Fernsehturm der Welt.
Der Aufzug befördert mich mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunden
zur Aussichtsplattform – so schnell, dass ich schlucken muss, um den Druck
auf den Ohren auszugleichen. Oben angekommen bietet sich mir bei strahlendem Sonnenschein
und wolkenlosem Himmel ein schier endlosen Blick auf die Stadt, die
mir im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen liegt.
Einziger Wermutstropfen: die Sonne scheint so stark, dass es so gut wie unmöglich
ist, ein vernünftiges Foto zu schießen – fast jedes Bild ist letztendlich
überbelichtet.
Wieder zurück in der Stadtmitte spaziere ich ein wenig umher,
bis mich mein Weg zur Stiftskirche
führt. Die Kirche wurde im 11. Jh. als einschiffige Dorfkirche
errichtet. In den darauf folgenden Jahrhunderten wurde sie um romanische, gotische
und spätgotische Stilelemente erweitert, bis sie 1944 komplett zerstört
wurde. Ihr Wiederaufbau erfolgte 1958.
Mein Rundgang endet an der neugotischen Johanneskirche.
Sie wurde von 1865 bis 1876 erbaut und liegt sehr malerisch auf einer Halbinsel
im Löschteich Feuersee. Bei der allmählich einsetzenden Dämmerung wirkt sie beinah
märchenhaft, ein traumhaft schöner Anblick. Während ich noch das Panorama auf mich
wirken lasse, wird es zunehmend dunkler und so geht dieser erste Foto-Spaziergang seinem Ende entgegen.
[10. Juni 2004] — Am nächsten Abend mache ich mich wieder auf den Weg. Vom Hauptbahnhof gehe ich die Königstraße hinunter in Richtung Schlossplatz. Dort angelangt, muss ich ein wenig enttäuscht feststellen, dass mir der
freie Blick auf die Frontseite des Neuen Schloss' verwehrt bleiben soll. Die Sicht wird
durch unzählige Buden und Verkaufswagen versperrt, die für ein
bevorstehendes Stadtfest aufgebaut worden sind. Bitterste Pille: der lokale Radiosender
hat seine Bühne direkt vor dem Schloss aufgebaut,
so dass mein „Fotografen-Herz“ regelrecht blutet.
Und auch um die Jubiläumssäule
herum hat man Bierbuden aufgebaut, die so ganz und gar nicht ins Bild passen. „Da bist
du einmal in
Stuttgart, und ausgerechnet dann ist so ein blödes Fest“, geht es mir durch den Kopf
und ich ziehe in Richtung Schillerplatz von dannen.
Der Schillerplatz,
der das Zentrum des alten Stadtkerns bildet, wird malerisch von der Alter Kanzlei,
dem Prinzenbau, dem Fruchtkasten, der Stiftskirche und dem Alten Schloss eingerahmt. Das
Schillerdenkmal in der Mitte des Platzes ist aus dem Jahr 1839.
Das Alte Schloss
ist neben der Stiftskirche
das älteste erhalten gebliebene Bauwerk der Stadt. Im 13. Jh. als Wasserburg
errichtet, wurde es im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgestaltet. Im 16. Jh.
entstand aus der Burganlage ein Renaissanceschloss. Im Rahmen dieses Umbaus wurde auch der
prachtvolle Innenhof mit den Arkaden gestaltet.
Im Innenhof hat das Reiterstandbild des Herzogs Eberhard im Bart
von Wirtemberg, der ab 1484 im Alten Schloss residierte, seinen Platz. Es wurde in unmittelbarer Nähe
der Schlosskapelle, die 1560 entstand, aufgestellt.
Na, wenigstens kann ich mich hier fototechnisch ein wenig austoben. Der letzte Programmpunkt meiner
Stadtbesichtigung ist der Obere Schlossgarten, in dem ich ein wenig umher spaziere. Doch viel Zeit zum Verweilen bleibt mir leider nicht mehr.
Gerade so viel, um einige Aufnahmen vom Staatstheater
und der Rückseite des Neuen Schloss'
zu machen. Dann mache ich mich auf den Weg zum Flughafen …
Fazit: Die Zeit war viel zu kurz, um Stuttgart ausgiebig zu erkunden und ich wäre gern noch länger geblieben. Aber wie sagt Paulchen immer so schön: „Heute ist nicht alle Tage …“