24.05.2013 | 08:39 Uhr
Tag 1 – Do, 23. Aug. 2007 –
Strecke: Stuttgart – Rheinfall (Schaffhausen) – Zürich – Heiligenberg – Überlingen – Heiligenberg (376 km)
Unterkunft: Landgasthof zur Post,
Heiligenberg, Betenbrunn 17 (63 € DZ inkl. Frühstück)
Der Bodensee ist der drittgrößte See in Mitteleuropa – er misst 540 km². Seine Uferlänge beträgt 273 km. Davon grenzen 173 km an Deutschland, 72 km an die Schweiz und 28 km an Österreich. Die tiefste Stelle dieses riesigen Gletschersees liegt 252 Meter unter der Wasseroberfläche. Der See gliedert sich von Ost nach West in den Obersee (der Bodensee im engeren Sinne), den Überlinger See (der Zipfel zwischen Staad und Meersburg) und dem Untersee (der sich wiederum in den Gnadesee, Zeller See und Seerhein unterteilt).
Gegen Abend erreichen wir das idyllische Örtchen Betenbrunn, das hoch über dem See – auf dem Hochplateau Heiligenberg – gelegen ist. Hier haben wir im Landgasthof zur Post, einem ehemaligen Schulhaus, ein Doppelzimmer reserviert.
Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, erkunden wir die nähere Umgebung. Besonders schön ist der historische Postplatz.
Er entstand Ende des 17. Jh. mit der Errichtung der Vorhofgebäude des Schloss Heiligenberg.
Die Gebäude der Poststation,
die 1576 erstmals urkundlich erwähnt wurden, bilden die westliche Begrenzung des Postplatzes. Die Mitte des Platzes nimmt die kolossale Gerichtslinde
aus der Zeit des Burgenbaus um 1250 ein. Daneben wurde 1914 der pompöse Fürstenbrunnen
mit seinen Bronzefiguren aufgestellt.
Wir laufen weiter zum Schloss, das wir gern besichtigen möchten. Enttäuscht lesen wir den Hinweis am Gatter des Eingangs. Das Schloss ist wegen einer privaten Veranstaltung bis Samstag geschlossen. ![]()
Nach dieser kleinen kulturellen Einlage genießen wir im Ristorante „Ambiente Da Pino“ bei ausgezeichneter Pasta und vorzüglichem Wein den traumhaften Panoramablick auf das Heiligenberger Schloss und den Bodensee. Zur Verdauung wollen wir einen abendlichen Bummel am See machen. Daher fahren wir nach Überlingen. Hier zeigt sich, dass Heiligenberg doch „ziemlich weit vom Schuss“ ist. Runter zum See sind es 18 km, für die wir eine knappe halbe Stunde brauchen.
Tag 2 – Fr, 24. Aug. 2007 –
Strecke: Heiligenberg – Überlingen – Unteruhldingen – Meersburg (40 km)
Unterkunft: Sporthotel Schönblick,
Meersburg, Von-Laßberg-Straße 8 (108 € DZ inkl. Frühstück)
Wir checken um 10:30 Uhr aus und düsen erneut nach Überlingen. An der Seepromenade (Überlingen hat übrigens die längste Uferpromenade am Bodensee) unternehmen wir einen ausgedehnten Spaziergang. Die Promenade ist gesäumt von Cafés, Restaurants und Gasthäusern – und heute bieten hier auch einige Kunsthandwerker ihre Waren feil.
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Ein Blickfang an der Promenade ist der Bodenseereiter Brunnen.
Meinen Blick fängt er vor allem deshalb, weil ich die Gestaltung dermaßen schrecklich finde, dass ich meine Augen gar nicht mehr abwenden kann. (Habe ich bereits erwähnt, dass ich eine Kunstbanausin bin?) Diese Nixen, die hier im Wasser liegen, sehen einfach zu komisch aus. Beim Anblick ihre meterlangen, empor gestreckten Fischflossen geht mir das Wort „Giraffenhals“ nicht mehr aus dem Kopf …
Eis schleckend schlendern wir von der Schiffslandestelle
zum Mantelhafen,
und von dort aus weiter zum Münster St. Nikolaus. Es überragt die historische Altstadt von Überlingen vor allem durch den hohen Nordturm. Die fünfschiffige Basilika wurde zwischen 1350 und 1576 im Stil der Spätgotik errichtet. Südlich der Kirche befindet sich der so genannte Ölberg,
der auf das Jahr 1493 zurück geht. Der halboffene Pavillon beherbergt eine monumentale Christus-Statue in seinem Inneren.
Wenige Schritte vom Münster entfernt steht das spätgotische Rathaus
der Stadt.
Da Jens gern das Pfahlbau-Museum anschauen möchte, fahren wir nach Unteruhldingen. Nach dem zu urteilen, was ich im Reiseführer (den wir vorhin in Überlingen erstanden haben) so lese, bin ich nicht wirklich scharf drauf, mir das Museum anzuschauen. Mich haben die Stein- und Bronzezeit nie sonderlich interessiert. Aber mit gegangen, mit gefangen.
Parken müssen wir außerhalb, weil es direkt beim Museum keine Parkmöglichkeiten gibt. Mir kommt der Fußmarsch zum Museum ewig vor. Aber immerhin ist der Weg dorthin gut ausgeschildert. An der Kasse sind wir jedoch ein bisschen überrascht, dass wir je 7 € Eintritt zahlen sollen, um eine Handvoll rekonstruierte Pfahlbauten
zu besichtigen. Das ist uns der Spaß dann doch nicht wert! Daher machen wir ein Bummel zum Strandbad,
spazieren über die Seepromenade,
trinken eine Cappuccino in einem Café und wandern dann entspannt zum Wagen zurück.
Unser nächstes Ziel ist Meersburg.
Zuerst suchen wir die Touristen-Info auf und buchen eine Bleibe für die Nacht. Das Angebot ist schon ziemlich abgegrast, unter 100 € ist nichts mehr zu kriegen. Wir kommen im Sporthotel Schönblick (DZ 108 € ÜF) unter, einem kleinen Familienhotel in der Oberstadt. Das Hotel hat einen eigenen Pool im Garten. Und es gibt eine Tiefgarage, die zwar nur sieben Stellplätze bietet, aber immerhin. Der Hotelier drückt uns ein Anmeldeformular in die Hand, das wir „bei Gelegenheit“ ausfüllen sollen. Außerdem hat er eine Karte von Meersburg für uns, mit Wegbeschreibung zur Unterstadt.
Nach dem Einchecken besichtigen wir die imposante Burg Meersburg,
auch Altes Schloss genannt. Der Sage nach soll die Burg im 7. Jh. von den Merowingern unter König Dagobert I. errichtet worden sein. Sie gilt als die älteste bewohnte Burg Deutschlands. Ab Mitte des 13. Jh. war die Burg in Besitz der Fürstbischöfe von Konstanz, die sie ab 1526 als bevorzugte Residenz nutzten. Seit 1838 ist sie in Privatbesitz.
Über die Zugbrücke
gelangen wir zu dem kleinen Kassenschalter, an dem wir den Eintrittspreis von je 8,50 € entrichten. Die Besichtigung der Meersburg erfolgt in zwei Teilen, einem geführten und einem individuellen. Zuerst machen wir die geführte Besteigung des Dagoberts-Turms (im Ticketpreis enthalten) mit. Die Führung beginnt vor dem Burg-Café. Hinter dem Drehkreuz bekommt jeder eine grüne Wäscheklammer, die wir sichtbar an der Kleidung tragen sollen – sozusagen als Erkennungszeichen für unsere Gruppe. Dann gelangen wir in einen Bereich der Burg, den man im Alleingang nicht zu sehen bekommt. Wir passieren einige Wohnräume,
die Burgküche
und den Brunnenraum,
bevor wir die Treppen zum Dagoberts-Turm erklimmen. Durch die geöffneten Fenster des Turms
haben wir einen wunderbaren Rundblick auf die Meersburger Altstadt
und den See.
Anschließend zeigt uns die Führerin die Gefängnisstube aus dem frühen 19. Jh., die Waffenkammer mit Rüstungen und Schwertern und die Folterkammer. An eine Wand der Folterkammer projiziert sie einen Film über die Zeit der Hexenverfolgung und die Gerichtsbarkeit in früheren Jahrhunderten. Zudem erklärt sie uns die Anwendung der Foltergeräte, die in der Kammer ausgestellt sind.
Nach der Führung dürfen wir den Rest der Burganlage auf eigene Faust erkunden. Dabei folgen wir dem nummerierten Besucherpfad. Er dirigiert uns durch mehr als 28 eingerichtete Räume, vorbei an dem neun Meter tiefen Burgverlies und durch den Burggarten.
Später schauen wir am Neuen Schloss
vorbei. Es wurde im Auftrag des Konstanzer Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg ab 1710 östlich der alten Meersburg errichtet. Der Prunkbau sollte dem gesteigerten fürstlichen Repräsentationsbedürfnis der Barockzeit genüge tun. Im Fürstbischöflichen Schlossmuseum, das im 2. Obergeschoss untergebracht ist, kann man die Wohn- und Repräsentationsräume der Fürstbischöfe besichtigen. Die Ausstellung umfasst Möbel, Wandvertäfelungen, Öfen, Gemälde, den einstigen Hausaltar und das Porzellankabinett der Fürstbischöfe.
Nach einem Bummel durch die Unterstadt kehren wir bei El Greco zum Abendessen ein. Anschließend trotten wir zurück zum Hotel, wo wir müde alle Viere von uns strecken.
Tag 3 – Sa, 25. Aug. 2007 –
Strecke: Meersburg – Mainau – Vaduz – Lindau – Stuttgart (392 km)
In Meersburg nehmen wir die Autofähre (11 € für Pkw inkl. Insassen) nach Konstanz. Von dort aus geht’s weiter zur Blumeninsel Mainau. Wir stellen unseren Wagen auf dem Besucherparkplatz (Parkgebühr 4 €) ab und laufen zum Eingangsbereich (Eintritt je 12,80 €).
Über die Fußgängerbrücke erreichen wir die 45 Hektar große Insel. Sie bietet das ganze Jahr über eine üppige Blütenpracht. Dazu einen Park mit rund 150 Jahre alten Baumbestand. Dank des milden Bodenseeklimas gedeihen hier sogar Palmen und andere mediterrane Pflanzen. Und auch architektonisch hat die Insel einiges zu bieten. Wie zum Beispiel das barocke Deutschordenschloss,
in dem die gräfliche Familie Bernadotte lebt. Es wurde zwischen 1739 und 1746 erbaut.
Wir laufen die Metasequoia-Allee entlang. Durch das Torhaus
– erbaut im Jahre 1764, der klassizistische Anbau kam im 19. Jh. hinzu – gelangen wir in den Schlossbereich. Rechts vom Torhaus kann man Reste der ehemaligen äußeren Mauer erkennen. Ein Überbleibsel ist der Gärtnerturm,
auch Wehrturm genannt. Seine drei massiven Untergeschosse stammen von der mittelalterlichen Festungsanlage; der achteckige Aufbau und das Helmdach wurden im 19. Jh. hinzu gefügt. Direkt neben dem Schloss steht die Schlosskirche St. Marien,
die 1739 geweiht wurde. Sie kann ganzjährig besichtigt werden. Am Palmenhaus
vorbei laufen wir in den Rosengarten.
Dann schlendern wir durch den Ufergarten
weiter in Richtung italienische Blumen-Wassertreppe.
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Unser Weg führt und über die Promenade der Wild- und Strauchrosen zur Naturerlebniswelt, die mit Streichelzoo, Bauernhof und Ponyreitbahn auf die Bedürfnisse der kleinen Gäste zugeschnitten ist. Gelegenheit zum Austoben bietet der Kinderspielplatz im benachbarten Kinderland, dessen Wege kolossale Blumenfiguren
schmücken.
Nächstes Ziel ist das Schmetterlingshaus, das das größte seiner Art in Deutschlands sein soll. Beim Rundgang durch die exotische Landschaft kommen wir richtig ins Schwitzen. 26 °C Raumtemperatur und schwüle 90 % Luftfeuchtigkeit machen es möglich. Zur Entschädigung können wir mehr als 25 Arten farbenprächtige Tagfalter
bestaunen. In Schauvitrinen wird erklärt, wie aus den Puppen prachtvolle Schmetterlinge entstehen.
Während wir gemütlich zum Ausgang trotten, fragt Jens: „Warst du schon mal in Liechtenstein?“ Nein, war ich nicht. Einen spontanen Impuls folgend setzen wir uns ins Auto und machen uns auf den Weg ins Fürstentum. Laut Navi sind es nur 100 km bis nach Vaduz.
Wie sich schnell herausstellt, sind spontane Ideen sind nicht immer die besten. Liechtenstein ist mit seinen 160 km² Fläche noch nicht mal so groß wie »Stuttgart. Vaduz, der Hauptort des Fürstentums, umfasst nur 17 km² und ist nicht gerade das, was man eine Großstadt nennt. Beschauliches Dörfchen trifft es wohl eher. Einzige Sehenswürdigkeit des Orts ist das etwa 700 Jahre alte Schloss. Seit 1712 ist es im Besitz der Fürsten, seit 1938 Wohnsitz der Fürstlichen Familie – daher kann es nicht besichtigt werden. Da es scheinbar immer wieder dumme Touris wie uns gibt, die sich zum Schloss verirren, hat der Fürst ein großes Schild am Eingang aufstellen lassen. Darauf steht in dicken Lettern geschrieben, dass das Schloss im Privatbesitz ist und dass es KEINE Führungen gibt.
Wir fahren weiter in die Berge nach Mabun. Dabei kommen wir an einem schönen alten Rathaus vorbei, das ich auf dem Rückweg gern fotografieren möchte. Nur leider wird uns der Rückweg nicht mehr am Rathaus vorbei führen. Offensichtlich ist der Weg nach Mabun sowas wie eine Einbahnstraße.
Fazit des Tages: Wir hätten besser daran getan, uns im Vorfeld über Liechtenstein zu informieren. Dann wäre klar gewesen, dass es außer Natur nichts zu sehen gibt und der Umweg absolut nicht lohenswert war. Immerhin wissen wir jetzt: das Fürstentum Liechtenstein besteht aus einer Handvoll Dörfern und hat 35.400 Einwohner. Die Landessprache ist schweizer-deutsch, Währung ist der Schweizer Franken. Es gibt sogar einen eigenen Radiosender „Radio Liechtenstein“. Da zeigt es sich mal wieder: Reisen bildet! ![]()
Nach diesem Intermezzo beschließen wir, über Österreich nach Lindau zu fahren. Dort wollen wir zum Abendessen halten, bevor es zurück nach Stuttgart geht.
Die Lindauer Altstadt ist wirklich sehenswert. Ein Haus ist schöner als das andere. Wir laufen bis zur Promenade, schießen ein paar Fotos und kehren dann im Restaurant „Alte Wehr“ ein – nicht unbedingt ein Glücksgriff, wie wir schnell feststellen. Das Ambiente ist nicht gerade der Hit. Die Tischdecke erzählt Geschichten über das, was die Gäste vor uns auf dem Teller hatten. Und die zahlreichen toten Insekten, die sich auf der Fensterbank angesammelt haben, lassen darauf schließen, dass hier schon seit längerem kein Putzlappen zum Einsatz kam.
Die Preise sind voll und ganz auf Touristen zugeschnitten. Pizza ab 7 €, Salatteller ab 9 €. Aber das war bei der exponierten Lage ja auch nicht anders zu erwarten. Besonders interessant finde ich den Passus auf der Karte, dass sie für jedes zusätzliche Gedeck 1 € berechnen. Wenn der Kellner also einen zweiten Teller plus Besteck bringen soll, weil man ein Gericht teilen möchte, zahlt der Gast dafür extra. Diese Praxis kannte ich bisher noch nicht! Manch Gastronom macht halt aus allem Geld, selbst aus solchen Kleinigkeiten, die anderorts als selbstverständlicher Kundenservice gratis sind. Die bestellte Pizza schmeckt besser als erwartet. Schön, dass wenigstens der Geschmack des Essens nichts zu wünschen übrig lässt.
Gegen 21 Uhr treten wir den Heimweg an. Und hätten wir auf Uschi (die weibliche Stimme des Navigationssystems) gehört und wären rechtzeitig von der A 96 abgefahren (da ein Teilstück der Autobahn über Nacht gesperrt war, wie sich später herausstellte) hätten wir nicht die halbe Nacht im Stau verbringen müssen.